Bei Rheinmetall regiert an der Börse das nackte Entsetzen. Obwohl die Auftragsbücher des Rüstungsgiganten prall gefüllt sind, erlebte die Aktie in der vergangenen Woche einen brutalen Einbruch von fast 22 % und ging bei 940,60 Euro aus dem Handel. Vom gigantischen Hype der letzten Jahre fehlt plötzlich jede Spur. Weder die neue Bundeswehr-Bestellung von 23 „Büffel“-Bergepanzern im dreistelligen Millionenbereich noch die frische NATO-Partnerschaft mit General Atomics zur Artillerie-Modernisierung konnten den rasanten Abverkauf stoppen. Die guten Nachrichten verpufften völlig wirkungslos im Markt.

Technische Warnsignale und die Angst vor Drohnen

Das erst kürzlich markierte Jahrestief bei 902,50 Euro rückt nun bedrohlich nahe. Zwar deutet ein extrem niedriger Relative-Stärke-Index (RSI) von 23,7 auf eine massiv überverkaufte Situation hin, was rein statistisch eine Gegenreaktion einleiten müsste. Doch die fundamentalen Zweifel wiegen schwer. Die Großbank JPMorgan warnt vor einer Marktverschiebung: Der unaufhaltsame Aufstieg günstiger Drohnentechnologien bedroht klassische Artilleriesysteme – und damit eine absolute Kernkompetenz von Rheinmetall. Zudem drückt der immense Kapitalbedarf für den parallelen Bau neuer Fabriken in der Ukraine, Rumänien und Litauen heftig auf die Liquidität.

Der August bringt die harte Wahrheit

Die Optimisten klammern sich an das gewaltige Fundament von 73 Milliarden Euro Auftragsbestand und das Joint Venture mit Leonardo. Gelingt es Rheinmetall, die Umsatzverschiebungen aus dem Frühjahr zügig aufzuholen, ist ein starkes Comeback denkbar. Endgültige Klarheit bringt jedoch erst der 6. August 2026, wenn der offizielle Halbjahresbericht auf den Tisch kommt. Bis dahin kämpft der Kurs um die psychologisch wichtige Bastion bei 900 Euro. Reißt diese Unterstützung, droht der Absturz in einen dauerhaften Abwärtstrend, der das 52-Wochen-Hoch von knapp 2.000 Euro in weite Ferne rücken lässt.