Rheinmetall gerät spürbar unter Druck. Nach kritischen Medienberichten aus dem Bundesministerium der Verteidigung sowie dem Beschaffungsamt BAAINBw gab das Papier auf Wochensicht um vier Prozent nach und schloss am Freitag bei 1.156,40 Euro. Auslöser der Verkäufe waren Berichte über angebliche Unstimmigkeiten bei der Abwicklung laufender Rüstungsprojekte. Obwohl konkrete Details zu den Beanstandungen bislang nicht öffentlich sind, reagieren Anleger derzeit extrem sensibel auf mögliche Verzögerungen im operativen Tagesgeschäft.

Extreme Spanne bei den Analysten

Trotz der Unruhe im Umfeld bekräftigte der DAX-Konzern seine ambitionierten Jahresziele von bis zu 14,2 Milliarden Euro Umsatz bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent. Auch operativ meldet Rheinmetall kontinuierlich Fortschritte: Neben der erfolgreichen Integration des Passivradars „Twinvis“ gemeinsam mit Hensoldt kündigte das Unternehmen eine Drohnen-Kooperation mit Boeing sowie ein neues Zentrum für autonome Technologien in Großbritannien an. Unter den Analysten herrscht derweil große Uneinigkeit: Während RBC und Jefferies die Aktie weiterhin als Kauf mit Zielen bis 1.600 Euro einstufen, raten Experten von J.P. Morgan lediglich zum Halten.

Verschiebungen in der Eigentümerstruktur

Für zusätzliche Bewegung sorgt die Aktionärsstruktur des Rüstungsriesen, dessen Marktkapitalisierung bei knapp 54 Milliarden Euro liegt. Die Investorengruppe um Nicolaas Hoek und Joseph van Caldenborgh unterschritt am 19. August leicht die Meldeschwelle von fünf Prozent. Am Markt gilt dieser Schritt jedoch als normale Umschichtung ohne strategische Signalwirkung. Spannung verspricht nun der DZ Bank Expert Day am 26. August in Bremen, bei dem Rheinmetall Stellung beziehen könnte. Bis zur nächsten Quartalsmitteilung am 5. November bleibt abzuwarten, ob die Kritik als vorübergehende Reibung oder als ernsteres Problem einzustufen ist.