Die Aktie von Rheinmetall steht vor einer bemerkenswerten Diskrepanz zwischen der schwachen Kursentwicklung und den optimistischen Erwartungen von Branchenexperten. Während das Papier seit geraumer Zeit unter spürbarem Verkaufsdruck leidet, rechnen renommierte Analysehäuser mit einer kräftigen Aufwärtsbewegung.
Geteilte Signale zwischen Börse und Analysehäusern
Am Freitag beendete der Rüstungstitel den Handel bei 986,60 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus im Kurs damit auf 36 Prozent.
Die Zurückhaltung der Marktteilnehmer resultiert vor allem aus Unwägbarkeiten über künftige Wehretats sowie aus anhaltenden geopolitischen Spannungen. Anleger sorgen sich um mögliche Verzögerungen bei der Freigabe staatlicher Mittel. Demgegenüber heben Marktbeobachter hervor, dass die Nachfrage nach Wehrtechnik ungebrochen hoch bleibt.
Berenberg und Bernstein sehen hohes Potenzial
Gestern bestätigte Berenberg das Votum „Buy“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro. Laut dpa-AFX verwies der zuständige Analyst auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft als Gegenwind zum politischen Hintergrundrauschen.
Bereits am Montag beließ Bernstein Research die Einstufung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.900 Euro. Beide Häuser sehen den fairen Wert des DAX-Konzerns damit weit über dem aktuellen Bewertungsniveau.
Diese Einschätzungen beruhen auf der Erwartung, dass sich der strukturelle Zuwachs an Verteidigungsausgaben mittelfristig voll in den Geschäftszahlen niederschlagen wird. Das Management kann bereits auf eine Reihe gewonnener Großprojekte verweisen.
Munitionsdeal und maritime Projekte stützen Auftragslage
Am 14. September meldete Rheinmetall einen Großauftrag über 155-mm-Artilleriemunition für einen internationalen Kunden. Die Vereinbarung umfasst eine fünfstellige Anzahl an Geschossen im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Fertigung läuft bereits, der Abschluss ist für 2027 geplant.
Parallel dazu verzeichnet der Konzern Zuwächse im Marinebereich. Laut Reuters erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am 14. September bei einer Zeremonie in Wolgast, Deutschland werde ein viertes Aufklärungsschiff bestellen. Der Haushaltsentwurf befindet sich auf dem parlamentarischen Weg.
Zusätzliche Stabilität bringt das laufende Servicegeschäft. Am Mittwoch erhielt die Division Naval Systems einen mehrjährigen Rahmenvertrag von der Generalzolldirektion für vier neue LNG-Zollschiffe. Vereinbart wurden Instandsetzungen, regelmäßige Wartungen sowie der Notfallservice und die technische Betriebsunterstützung.
Das Zusammenspiel aus langfristigen Instandhaltungsverträgen und großen Lieferaufträgen festigt das operative Fundament des Rüstungskonzerns. Ob die Papiere die ambitionierten Kursziele erreichen, hängt nun maßgeblich von der zügigen Umsetzung der staatlichen Haushaltspläne ab.
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