Selten lagen die Einschätzungen der Analysten zu Rheinmetall so weit auseinander wie in dieser Woche. Während Bernstein Research sein Kursziel auf 1.900 Euro anhebt und an der Einstufung „Outperform“ festhält, sieht das Analysehaus mwb research die Aktie nur noch bei 1.050 Euro und rät zum Verkauf. JPMorgan positioniert sich dazwischen und mahnt zur Vorsicht, bis der Konzern seine neue Auftragseingangs-Zielsetzung präzisiert hat.

JPMorgan verlangt Klarheit zur 100-Milliarden-Marke

JPMorgan-Analyst David Perry beließ seine Einstufung für Rheinmetall gestern auf „Neutral“ und bestätigte ein Kursziel von 1.350 Euro. Sein zentraler Kritikpunkt: Der Rüstungskonzern hatte im Zuge der jüngsten Zahlenvorlage eine neue Zielgröße für den Auftragseingang von „über 100 Milliarden Euro“ ausgegeben, ohne die zugrunde liegenden Annahmen im Detail zu erläutern. Perry sieht hier Klärungsbedarf, bevor er seine Bewertung anpasst.

Genau entgegengesetzt fällt das Urteil von Bernstein Research aus. Die Analysten hoben ihr Kursziel am Montag von 1.700 auf 1.900 Euro an und bekräftigten die Einstufung „Outperform“. Begründet wird der Schritt mit der starken operativen Dynamik des Konzerns – ein Verweis auf den nach eigenen Angaben um rund 20 Prozent über dem Marktkonsens liegenden operativen Gewinn im zweiten Quartal, den Rheinmetall bereits vor gut einer Woche in einer Ad-hoc-Mitteilung vermeldet hatte.

Auf der Gegenseite steht mwb research: Das Haus stufte die Aktie am Donnerstag von „Hold“ auf „Sell“ zurück und senkte das Kursziel auf 1.050 Euro. Auslöser war eine detaillierte Auswertung der am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Halbjahreszahlen, die aus Sicht der Analysten trotz der auf den ersten Blick starken Ergebnisse Risiken offenlegt.

Kurs bleibt unter Druck, erholt sich aber leicht

Die Kursreaktion auf diese gegensätzlichen Signale fällt bislang verhalten aus. Am Freitag schloss die Aktie bei 1.145,40 Euro und gab damit um 0,40 Prozent nach. Auf Jahressicht steht dennoch ein deutliches Minus von 26,22 Prozent zu Buche – ein Rückgang, der auch die Skepsis mancher Marktteilnehmer nach der Präsentation der Fregatte GMF 140 am vergangenen Dienstag widerspiegelt, in deren Folge das Papier um 4,9 Prozent nachgab. Immerhin notiert der Kurs derzeit gut vier Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine gewisse kurzfristige Stabilisierung hindeutet.

Neuer Auftrag für die US-Tochter

Operativ liefert unterdessen die US-Tochter American Rheinmetall positive Nachrichten. Am 31. Juli erhielt sie im Rahmen des „Project Sustainment“ einen Entwicklungsauftrag der U.S. Army für autonome, hybridbetriebene Logistikfahrzeuge. Umgesetzt wird das Vorhaben gemeinsam mit dem Partner Harbinger. Konkrete Auftragswerte wurden dazu nicht genannt, doch der Zuschlag unterstreicht die wachsende Rolle des US-Geschäfts im Konzernportfolio.

Blick nach London

Der nächste öffentliche Auftritt des Managements steht bereits fest: Am 12. August präsentiert sich Rheinmetall auf der „European Defense Conference“ in London. Für Anleger dürfte dies eine der ersten Gelegenheiten sein, mehr Klarheit zur neuen Auftragseingangs-Zielsetzung zu erhalten – jenem Punkt, an dem sich aktuell die Geister der Analysten scheiden.