Während Bank of America bei Rheinmetall auf die Bremse tritt, meldet der Konzern binnen weniger Tage gleich mehrere operative Fortschritte – von autonomen Militärkonvois über Munitionslieferungen an die Ukraine bis zu einem Satellitenprojekt für die Arktis. Die Aktie selbst bleibt unter Druck: Der Kurs schloss am Mittwoch bei 965,00 Euro und notiert damit rund 40 Prozent unter dem Stand von Jahresbeginn.

Bank of America kappt Kursziel deutlich

Analyst Benjamin Heelan von Bank of America hat sein Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro gesenkt. Als Begründung nennt er die weiterhin starke Fokussierung des Konzerns auf traditionelle Munition, während der Wettbewerb zunehmend in Richtung Drohnentechnologie vorstößt. Die Einschätzung reiht sich in eine Marktphase ein, in der Rüstungswerte insgesamt unter erhöhter Skepsis stehen – der DAX war zuletzt knapp unter die Marke von 25.000 Punkten gerutscht.

Autonome Konvois als neues Geschäftsfeld

Operativ treibt Rheinmetall parallel die Automatisierung der Militärlogistik voran. Der Konzern hat ein zweiwöchiges Ausbildungsprogramm zur autonomen Militärlogistik mit der britischen Armee abgeschlossen. Dabei fuhr erstmals ein autonomer HX-Konvoi mit dem Beinamen „White Pony“ in Aldershot, ausgestattet mit dem PATH-Sensorik-Kit. Das Training dient als Vorbereitung auf die Übung Project Convergence Capstone 6 im Rahmen des Programms Project MAIA.

Zugleich hat Rheinmetall MAN Military Vehicles die Gesamtverantwortung für das Bundeswehr-Forschungsprojekt InterRoC VII übernommen, das ebenfalls auf automatisierte Konvoiführung zielt. Die eingesetzten HX-Fahrzeuge sollen auch in GNSS-gestörten Umgebungen funktionieren, KI-Partner ist die Driveblocks GmbH. Beim Wettbewerb ELROB 2026 erhielt das Projekt bereits einen Scenario Award. Zusätzlich fungiert Rheinmetall Electronics UK als Partner beim Army Collective Training Service, einem Auftrag mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro über eine Laufzeit von 15 Jahren.

Munitionslieferung an die Ukraine angelaufen

Im Bereich Munition hat Rheinmetall aus dem Werk Unterlüß erstmals Artilleriegeschosse des Typs RH1412 an die Ukraine ausgeliefert – in einer niedrigen fünfstelligen Stückzahl. Die 155-Millimeter-Munition gilt als neueste Entwicklung des Konzerns, kompatibel mit NATO-Systemen und mit erhöhter Reichweite. Weitere Treibladungen sollen aus anderen Werken folgen, der Rest der Bestellung bis Ende 2026 geliefert werden. Die Ukraine hatte die Munition im Wert von mehreren zig Millionen Euro geordert.

Satelliten, Laser und weitere Aufträge

Über die klassischen Geschäftsfelder hinaus expandiert Rheinmetall in neue Technologiebereiche. Mit dem norwegischen Unternehmen Space Norway hat der Konzern eine Kooperation zur satellitengestützten Überwachung der Arktis und des Nordatlantiks vereinbart. Dabei sollen das C-Band-System von Space Norway und die X-Band-SAR-Technologie von Rheinmetall zusammengeführt werden. Der Standort Neuss gilt als größte industrielle SAR-Satelliten-Produktion Deutschlands.

Zudem hat das deutsche Verteidigungsministerium einen Vertrag mit einem Konsortium aus Rheinmetall und MBDA Deutschland zur Entwicklung hochenergetischer Laserwaffen unterzeichnet. Die Integration in Überwasserplattformen ist bis 2029 vorgesehen, im Fokus steht die automatische Zielklassifizierung. Kuwait wiederum hat MASS-Täuschkörperwerfer im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bestellt, die Lieferung soll zwischen 2026 und 2029 erfolgen.

Charttechnik zeigt tiefrote Zahlen

Der operative Nachrichtenfluss konnte den Kursverfall bislang nicht stoppen. Auf Wochensicht verlor die Aktie 4,66 Prozent, binnen 30 Tagen summiert sich das Minus auf 15,93 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 39,74 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 47,08 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995,00 Euro, notiert am 29. September 2025, trennen die Aktie mittlerweile 51,63 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro vom 25. Juni 2026 beträgt der Abstand dagegen nur noch 6,93 Prozent.

Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren anhaltenden Abwärtsdruck: Der Kurs liegt 15,56 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.142,83 Euro und 35,94 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.506,43 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 34,8 deutet auf eine überverkaufte Situation hin, ohne bereits ein klares Signal für eine Trendwende zu liefern. Die auf 30 Tage annualisierte Volatilität liegt bei 68,92 Prozent – ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beziffert sich aktuell auf 45,58 Milliarden Euro.