Mit weiteren Verlusten verabschiedete sich die Rheinmetall aus dem Wochenhandel. Am Freitag war es um 6,80 Euro oder -0,59 % abwärts gegangen. Bei 1155,40 Euro leuchteten die Kurstafeln auf. Dies ist klar ein Abwärtstrend, wobei unter Analysten noch immer sehr viel Zuversicht herrscht. Auch für die Düsseldorfer ist dies nicht ganz verständlich, so die Beobachter.

Widersprüche zwischen der Leistung und der Bewertung

Bei Rheinmetall wächst der Widerspruch zwischen einem weiterhin starken operativen Geschäft und den steigenden Zweifeln an den Erwartungen für die kommenden Jahre. JPMorgan beließ kürzlich die Aktie auf „Neutral“ und setzt das Kursziel auf 1.350 Euro. Analyst David Perry rechnet für den Zeitraum von 2027 bis 2030 mit niedrigeren Umsätzen als bisher angenommen; seine Ergebnisschätzungen liegen teilweise bis zu 17 % unter dem breiten Marktkonsens.

Die aktuellen Geschäftszahlen liefern zunächst ein deutlich anderes Bild. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz von 3,749 Mrd. Euro auf 5,2 Mrd. Euro, während das operative Ergebnis 786 Mio. Euro erreichte. Zum 30. Juni lag der Auftragsbestand bei 80,5 Mrd. Euro. Allein im ersten Halbjahr kamen neue Bestellungen im Volumen von 16,2 Mrd. Euro hinzu. Für das Gesamtjahr hält das Management trotz der jüngsten Anpassungen an einer operativen Marge von rund 19 % fest.

Der wichtigste Belastungsfaktor liegt und lag im Naval-Geschäft. Nach dem Wegfall des F126-Fregattenprogramms senkte Rheinmetall die Umsatzprognose für das laufende Jahr auf 13,7 bis 14,2 Mrd. Euro. Der Ausfall könnte den Konzern im Gesamtjahr bis zu 300 Mio. Euro Umsatz kosten. Gerade dieser Rückschlag zeigt, dass selbst ein Auftragsbestand von mehr als 80 Mrd. Euro einzelne große staatliche Beschaffungsprogramme nicht vollständig auffangen kann.

Zusätzlich belastete der Cashflow das Halbjahresbild. Der operative Free Cashflow fiel auf minus 1,616 Mrd. Euro. Rheinmetall verweist dabei auf später eingegangene Anzahlungen, höhere Vorräte und Forderungen sowie den fortgesetzten Ausbau der Produktionskapazitäten. Die Investitionen hängen direkt mit dem Produktionshochlauf zusammen, binden kurzfristig aber erhebliche finanzielle Mittel.

JPMorgan sieht deshalb innerhalb des europäischen Verteidigungssektors derzeit attraktivere Alternativen. Perry bevorzugt unter anderem Renk, Leonardo, CSG, Babcock und Vincorion, während Rheinmetall wegen der bereits hohen Erwartungen weniger attraktiv erscheint. Gleichzeitig liegen andere Analysten deutlich optimistischer: Jefferies hob das Kursziel vor wenigen Tagen indes von 1.300 auf 1.350 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung.

RBC nahm die Bewertung am 11. August mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro auf. Warburg Research bestätigte am 10. August „Buy“ mit einem Ziel von 1.500 Euro. Die aktuellen Kursziele reichen damit von 1.350 bis 1.600 Euro, obwohl sich die Einschätzungen zur Bewertung und zum Wachstum ab 2027 deutlich unterscheiden. Insgesamt sehen Analysten die Kursziele aktuell noch immer bei fast 1.700 Euro!