Der jüngst diskutierte neue US-Auftrag war zu klein, um den Verkaufsdruck auf Rheinmetall am Freitag zu bremsen. Im späten deutschen Handel kostete die Aktie 1.035,30 Euro, 3,44 % weniger als am Vortag. Binnen einer Woche summierte sich das Minus auf rund 7 %. Die Aktie fährt eher auf die Marke von 1.000 Euro zu als sich schnell zu erholen, fürchten mittlerweile wohl vor allem die Chartanalysten.

Rettung in Sicht?

Rheinmetall Canada liefert der US Navy Ersatzkomponenten für mobile Startaggregate des Typs MSU-200NAV. Der Vertrag läuft über die Canadian Commercial Corporation, bewegt sich im einstelligen Millionen-Euro-Bereich und sieht Lieferungen von Ende 2026 bis Ende 2028 vor. Zum Auftrag gehören Starter sowie Teile der digitalen FADEC-Triebwerkssteuerung. Entwickelt und betreut werden die Systeme in Saint-Jean-sur-Richelieu in Québec.

An der Größenordnung des Konzerns ändert dieser Auftrag wenig. Interessanter ist das Geschäft mit der US Army. Rheinmetall hat den ersten Lynx-XM30-Prototypen ausgeliefert; insgesamt sind acht Fahrzeuge vorgesehen. Für Entwicklung und Prototypenbau umfasst der bestehende Vertrag rund 764 Millionen Dollar. Bei der späteren Serienentscheidung könnten rund 4.000 Fahrzeuge und mehr als 45 Milliarden Dollar zusammenkommen. General Dynamics Land Systems ist der Konkurrent.

Die jüngsten Zahlen liefern dazu den operativen Hintergrund. Im zweiten Quartal erreichte der Umsatz 3,29 Milliarden Euro und lag damit über den erwarteten 3,16 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie wurden 7,52 Euro gemeldet, erwartet waren 6,60 Euro. Der Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro. Nach dem Stopp des F126-Projekts wurde die Umsatzprognose für 2026 allerdings auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro reduziert.

Die Analystenübersicht fällt trotz des Kursrückgangs klar positiv aus: zehn Kaufempfehlungen, eine Halteempfehlung, keine Verkaufsempfehlung. Das mittlere Kursziel beträgt 1.700 Euro. Gegenüber 1.035,30 Euro ergibt sich rechnerisch ein Abstand von rund 64 %. Für 2026 werden etwa 37,4 Euro Gewinn je Aktie erwartet. Die XM30-Entscheidung wird um das Ende des US-Fiskaljahres 2027 erwartet.

Bei den Schätzungen setzt sich das Wachstum fort. Für 2027 werden rund 54,91 Euro Gewinn je Aktie angesetzt, für 2028 etwa 76,04 Euro. Die erwarteten KGVs sinken damit auf ungefähr 18,8 beziehungsweise 13,6. Für 2026 liegt die Dividendenschätzung bei knapp 15 Euro, nach 11,50 Euro im Vorjahr. Alles im Lot, inklusive der Analysten-Schätzungen. Nur der Markt macht nicht mit. Oder?