Bei Rheinmetall entscheidet sich die Börsengeschichte derzeit an einem ungewöhnlichen Bild: Das Geschäft liefert Rekordwerte, während die Aktie deutlich unter ihrem früheren Höchststand kämpft. Im zweiten Quartal sprang der Umsatz um 69 % auf 3,289 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro, die Marge erreichte mit 17,1 % einen neuen Rekord. Jahresziel sind hier sogar 19 %, was durchaus sehr stark wäre.
Rheinmetall ist aktuell an den Börsen ggf. unterschätzt
Auch die Perspektive für die kommenden Jahre bleibt außergewöhnlich groß. Der Auftragsbestand wuchs auf 80,47 Milliarden Euro. Allein die Bundeswehr orderte Artilleriemunition für rund 8,5 Milliarden Euro, zusätzlich sind 105 Leopard-Kampfpanzer vorgesehen. Rheinmetall hält deshalb am Jahresziel von bis zu 14,2 Milliarden Euro Umsatz und einer operativen Marge von rund 19 % fest.
Der Aktienmarkt honoriert diese Entwicklung momentan allerdings nur eingeschränkt. Nach dem Rekordhoch von 2.007 Euro im Oktober 2025 folgte eine massive Korrektur. Am Dienstag setzte sich die Schwäche mit einem Tagesminus von 0,62 % fort, womit Rheinmetall bei 1.118,20 Euro aus dem Handel geht.
Warum bleibt die Reaktion so verhalten? Ein wesentlicher Punkt ist inzwischen die Umsetzungsgeschwindigkeit. Beim Skyranger 30 könnte sich die Auslieferung laut internen Unterlagen von Mitte 2026 auf Mitte 2027 verschieben. Rheinmetall selbst spricht hingegen von einer Verzögerung um fünf Monate. Die Beschaffungsbehörden kalkulieren mit mindestens elf Monaten Verspätung. Der Auftrag umfasst 123 Fahrzeuge und ein Volumen von 2,7 Milliarden Euro.
Die Analysten sehen trotz dieser Fragezeichen weiterhin erhebliches Potenzial. Jefferies erhöhte das Kursziel auf 1.350 Euro und stuft die Aktie mit „Buy“ ein. RBC Capital Markets kam mit „Outperform“ und einem Ziel von 1.600 Euro hinzu, während JPMorgan bei 1.350 Euro eine neutrale Einschätzung vertritt. Die Spannbreite zeigt: Die langfristige Wachstumsgeschichte wird kaum infrage gestellt, doch bei Tempo und Umsetzung gehen die Erwartungen auseinander. Die Kursziele liegen indes im Mittel bei fast 1.695 Euro. Immer noch!
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