Plus 6,33 Prozent an einem einzigen Tag. Rheinmetall springt auf 1.159,00 Euro, nach einem Schlusskurs von 1.090,00 Euro am Dienstag. Die Aktie zeigt damit eine bemerkenswerte Kurzfrist-Dynamik – aber die Bilanz seit Jahresbeginn bleibt tiefrot.
Auf Sicht von sieben Handelstagen steht ein Plus von 14,46 Prozent. Binnen 30 Tagen sind es sogar 19,18 Prozent. Diese Erholung trifft jedoch auf eine Aktie, die seit Jahresbeginn immer noch 25,35 Prozent verliert und mehr als 42 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom 3. Oktober 2025 notiert.
Zwei Trends, ein Widerspruch
Der Kurs hat sich über den 50-Tage-Durchschnitt von 1.110,87 Euro geschoben. Das ist ein kurzfristig positives Signal. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt allerdings bei 1.481,67 Euro – rund 22 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Genau in dieser Lücke steckt die entscheidende Frage. Ist die aktuelle Bewegung der Start einer echten Trendwende? Oder nur eine kräftige Gegenbewegung innerhalb eines langfristigen Abwärtstrends? Solange sich kurz- und langfristiger Trend nicht annähern, bleibt die Antwort offen.
Das bullische Szenario: Käufer kommen zurück
Für eine fortgesetzte Erholung spricht zunächst die Dynamik selbst. Seit dem 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro vom 25. Juni 2026 hat die Aktie bereits über 28 Prozent zugelegt. Der Relative-Stärke-Index steht bei 64,7 – das zeigt Kaufdruck, ohne bereits überkauft zu sein.
Klassisch gilt die Marke von 70 als Warnsignal für Überhitzung. Bis dahin bliebe demnach noch etwas Raum nach oben. Auch die Rückeroberung der 50-Tage-Linie werten Chartanalysten häufig als erstes Zeichen einer Stabilisierung.
Setzt sich der positive Newsflow aus dem Rüstungssektor fort, könnte die Aktie weiter zulegen. Das nächste Kursziel wäre dann der 100-Tage-Durchschnitt bei 1.268,66 Euro.
Das bärische Szenario: Der Schatten des Rekordhochs
Das Gegenargument liegt in der schieren Größe des bisherigen Einbruchs. Zwölf Monate zeigen ein Minus von 33,24 Prozent. Ein Großteil der 2025 aufgebauten Bewertungsprämie ist damit bereits wieder verschwunden.
Der 200-Tage-Durchschnitt bleibt deutlich über dem aktuellen Kurs. Das markiert einen intakten mittelfristigen Abwärtstrend. Hinzu kommt eine außergewöhnlich hohe Schwankungsbreite: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 70,73 Prozent.
Das macht die Aktie für kurzfristige Trader interessant. Gleichzeitig steigt damit das Risiko scharfer Rückschläge. Kühlt sich der positive Nachrichtenfluss ab oder dreht das Momentum, könnte der Kurs ebenso schnell wieder unter die 50-Tage-Linie fallen, wie er sie überwunden hat.
Der Blick nach vorn
Bleibt der Kurs oberhalb von 1.110,87 Euro und driftet der RSI nicht über die 70er-Marke, dürfte das Chartbild kurzfristig konstruktiv bleiben. Eine weitere Annäherung an den 100-Tage-Durchschnitt erscheint dann möglich.
Fällt die Aktie dagegen zurück unter die 50-Tage-Linie, wiegt das schwerer. Angesichts der großen Distanz zum 200-Tage-Durchschnitt spräche das eher für eine Fortsetzung des Abwärtstrends als für eine echte Bodenbildung.
Der nächste Belastungstest steht mit dem kommenden Quartalsbericht bevor. Bei der aktuellen Volatilität dürfte er erhebliches Kurspotenzial in beide Richtungen bergen.
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