1.071 Euro stehen für Rheinmetall nach aktuell 0,1 % Gewinn am Freitag und dem gestrigen Verlust von 1,51 % auf der Kurstafel. Innerhalb einer Woche ist die Aktie um fast 9 % gefallen, in vier Wochen um 7,7 %. Bis zur Marke von 1.000 Euro bleiben nur noch 70 Euro. Auch technisch sieht es schwach aus: Der Abstand zum GD100 beträgt rund 8,7 %, zum GD200 sind es 23,6 %. Der RSL130 liegt bei lediglich 0,85. Der Status ist recht einfach: Die Aktie ist im klaren Abwärtstrend, Investoren wehren sich allenfalls noch dagegen, auch die Marke von 100 Euro zu erreichen.

Rheinmetall: Die Nachrichtenlage passt nicht dazu!

Diese Kursentwicklung passt nur bedingt zu den Geschäftszahlen. Rheinmetall verfügt über einen Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 6,69 % auf 3,29 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erreichte rund 562 Millionen Euro und lag damit annähernd 20 % über den durchschnittlichen Erwartungen.

Belastend wirkt weiterhin der hohe Mittelabfluss. Der Free Cashflow lag im zweiten Quartal bei ungefähr minus 1,6 Milliarden Euro. Rheinmetall verweist dabei auf Vorratsinvestitionen und den notwendigen Kapazitätsaufbau. Auch die Jahresumsatzprognose wurde wegen des gestoppten F126-Programms um rund 300 Millionen Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro reduziert.

Neue Wachstumschancen kommen jetzt aus den USA. American Rheinmetall will sich an der Erneuerung der M2-Bradley-Schützenpanzer-Flotte beteiligen und Prototypen liefern. Das Programm könnte ein Gesamtvolumen von rund 45 Milliarden Dollar oder mehr erreichen. Rheinmetall geht in das Endauswahlverfahren gegen General Dynamics. Eine Entscheidung über den großen Auftrag könnte Ende 2027 fallen. Bereits vorher sind Entwicklungsverträge möglich, die weitere positive Nachrichten erzeugen könnten.

Zusätzlich steht in Deutschland das Bundeswehr-Programm Arminius mit einem möglichen Volumen von rund 12,4 Milliarden Euro im Raum. Damit verfügt Rheinmetall über mehrere mögliche Großprojekte.

Die Börse honoriert diese Perspektiven derzeit nicht. Analysten sehen im Mittel weiterhin Kurse von mehr als 1.650 Euro. Bei aktuell 1.070 Euro bleibt zunächst entscheidend, ob die Marke von 1.000 Euro hält. Wirtschaftlich stehen dem schwachen Kurs ein Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro und zusätzliche Milliardenchancen in Deutschland und den USA gegenüber.