Während Rheinmetall am Freitag um 1,2% auf 1.194,50 Euro nachgibt, präsentiert sich der Konzern auf der Eurosatory in Paris so offensiv wie selten zuvor. Der DAX-Konzern nutzt die wichtigste europäische Rüstungsmesse, um seinen strategischen Wandel voranzutreiben. Künftig sollen nicht mehr nur Panzer, Munition und Militärfahrzeuge im Mittelpunkt stehen, sondern zunehmend Luftverteidigung, unbemannte Systeme und digital vernetzte Gefechtsführung.

Rheinmetall: Auftragsbücher sind voll

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt die geplante Gründung eines Joint Ventures mit dem südkoreanischen Spezialisten LIG Defence & Aerospace. Gemeinsam wollen beide Unternehmen eine neue Generation kostengünstiger Abfangraketen entwickeln. Die Erfahrungen aus der Ukraine haben gezeigt, dass moderne Luftverteidigung häufig an einem zentralen Problem leidet: Die eingesetzten Abfangkörper sind oft deutlich teurer als die Bedrohungen, die sie bekämpfen sollen. Genau hier setzt die Kooperation an. Die neuen Systeme sollen zu einem Bruchteil heutiger Kosten produziert werden und damit größere Stückzahlen ermöglichen.

Für Rheinmetall eröffnet sich dadurch ein Markt mit enormem Potenzial. Zahlreiche europäische Staaten erhöhen ihre Verteidigungsbudgets und investieren gezielt in den Ausbau ihrer Luftverteidigung. Mit seiner industriellen Größe und den Produktionskapazitäten könnte der Konzern eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung einnehmen.

Gleichzeitig treibt das Unternehmen den Ausbau seines Drohnengeschäfts voran. Auf der Eurosatory stellte Rheinmetall einen neuen Containerwerfer für Loitering-Munition-Systeme vor. Das System kann bis zu 18 Drohnen transportieren und starten. Diese verfügen über Reichweiten von bis zu 100 Kilometern und sind vollständig in die digitale Battlesuite des Konzerns eingebunden. Damit entsteht ein vernetztes Gesamtsystem aus Aufklärung, Zielerfassung und Bekämpfung.

Auffällig ist dabei die strategische Stoßrichtung. Rheinmetall setzt immer stärker auf Bereiche, in denen moderne Streitkräfte weltweit investieren. Luftverteidigung, Drohnen und vernetzte Operationsführung zählen inzwischen zu den rasantesten Wachstumsmärkten der Branche. Die Messe in Paris zeigt daher weniger neue Einzelprodukte als vielmehr die langfristige Richtung des Konzerns. Rheinmetall will sich als Anbieter kompletter Verteidigungslösungen etablieren.