Rheinmetall bekam zuletzt frischen Rückenwind von unerwarteter Seite: Die kanadische Großbank RBC nimmt den Rüstungskonzern erstmals in ihre Analyse auf und startet direkt mit einer Kaufempfehlung. Analyst Colin Moody setzt auf „Outperform“ und ruft ein Kursziel von 1.600 Euro aus. Dahinter steht die Erwartung, dass Rheinmetall vom europäischen Aufrüstungsschub noch viele Jahre profitieren kann.

Der Markt reagiert allerdings nicht mit einem weiteren Sprung. Am Mittwoch ging es zwar um 2,59 % aufwärts. Die Aktie bleibt indes bei 1.171,80 Euro stecken. Das ist noch nicht herausragend. Die Aktie kämpft noch damit, dass sie technisch weit im Abwärtstrend verharrt.

Rheinmetall: Das sind aktuell noch Gründe für die Zurückhaltung

So bleibt der Titel trotz der langfristig optimistischen RBC-Prognose deutlich von seinem bisherigen Rekordhoch entfernt. Gerade dieser Abstand bildet einen wichtigen Teil der Investmentthese: Wenn die erwartete Gewinnentwicklung tatsächlich eintritt, könnte sich die aktuelle Bewertung im Rückblick als vergleichsweise günstig erweisen.

Moody rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen jährlichen EBITA-Wachstum von rund 35 %. Eine solche Dynamik wäre außergewöhnlich und basiert vor allem auf den europäischen Aufrüstungsprogrammen sowie Rheinmetalls starker strategischer Positionierung. Gleichzeitig soll der freie Cashflow deutlich zulegen. Für das Management eröffnet das zusätzlichen Spielraum, um über Akquisitionen weitere Märkte und Technologien zu erschließen.

Wie groß die Expansion bereits heute gedacht wird, zeigt der Ausbau der Munitionsproduktion. Rheinmetall hat die Kapazität für konventionelle Artilleriemunition nach eigenen Angaben von 70.000 auf rund eine Million Schuss pro Jahr erhöht. Damit verfügt der Konzern inzwischen sogar über eine größere Produktionskapazität als die USA. Hinter diesem massiven Ausbau steckt eine klare Wette: Die europäischen Staaten werden ihre Verteidigungsausgaben über Jahre hinweg erhöhen und damit zusätzliche Nachfrage schaffen.

Wirtschaftlich lieferte Rheinmetall zuletzt bereits entsprechende Argumente. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 69 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig blieb die Profitabilität hoch. Zwar wurde die Umsatzprognose nach dem Ende des Fregattenprojekts F126 leicht angepasst, doch die Zielmarge von rund 19 % wurde bestätigt. Die prall gefüllten Auftragsbücher bleiben damit der zentrale Puffer gegen den einzelnen Belastungseffekt. Es geht dabei um einen Auftragsbestand von rund 80 Mrd. Euro!