Rheinmetall hat am Donnerstag Halbjahreszahlen vorgelegt, die zwei Gesichter zeigen: Rekordwachstum auf der einen Seite, eine gekappte Umsatzprognose und ein tief roter Free Cashflow auf der anderen. Der Rüstungskonzern reagiert damit auf den Verlust des milliardenschweren Fregattenprogramms F126, das die Bundesregierung im Juni gestrichen hatte. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro, nach einem Tagesminus von 0,40 Prozent.

Wachstum bleibt hoch, Cashflow bricht ein

Der konsolidierte Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro, nach 3.749 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis wuchs noch deutlicher: Im zweiten Quartal allein legte es um 115 Prozent zu, von 262 auf 562 Millionen Euro. Für das Gesamthalbjahr kletterte der operative Gewinn auf 786 Millionen Euro nach 453 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie aus fortgeführten Geschäftsbereichen verbesserte sich von 4,69 auf 8,43 Euro.

Weniger erfreulich fällt der operative Free Cashflow aus: Er rutschte um 985 Millionen Euro tiefer auf minus 1.616 Millionen Euro, verglichen mit minus 631 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Rheinmetall begründet den Einbruch mit einer Verschiebung beim Zeitpunkt eingehender Anzahlungen. Parallel dazu passte der Konzern seine Investitionsplanung an: Statt der zuvor angepeilten 16 Prozent des Umsatzes sollen die Investitionsausgaben 2026 nur noch 8 bis 9 Prozent betragen, weil mehrere große Werksprojekte auf 2027 verschoben wurden.

Investoren blicken auf das Loch in der Bilanz statt auf das Wachstum

Trotz der starken Wachstumszahlen fiel die Aktie am Donnerstag um 5,67 Prozent. Anleger konzentrierten sich Medienberichten zufolge weniger auf die Rekordmargen als auf den schwächeren Cashflow, die gesenkte Umsatzprognose und einen hohen Lagerbestand im Zusammenhang mit künftigen Verteidigungsaufträgen. Der Grund für die Prognoseanpassung liegt im Verlust des F126-Fregattenprogramms: Die Bundesregierung hatte im Juni entschieden, statt der geplanten Rheinmetall-Fregatten bis zu acht Schiffe des Typs Meko A-200DEU von TKMS zu beschaffen. CEO Armin Papperger bezeichnete den Auftragsverlust laut Der Spiegel als „massiven Rückschlag“. Als direkte Folge fror Rheinmetall Anfang Juli 900 Stellen im Marineschiffbau ein.

Der Konzern reduzierte daraufhin die Umsatzprognose für die Marinesparte und den Gesamtkonzern um 300 Millionen Euro. Für 2026 erwartet Rheinmetall nun einen Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro, die operative Margenprognose blieb dabei unverändert bei rund 19 Prozent. Die organische Wachstumsspanne von 28 bis 31 Prozent hält der Konzern trotz des Auftragsverlusts aufrecht. Über die vergangenen 30 Handelstage hat sich der Kurs bereits um 7,71 Prozent erholt, bleibt aber 42,93 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro vom Oktober.

Auftragsbestand wächst weiter kräftig

Abseits der Prognosekürzung liefert der Auftragseingang positive Signale. Die Rheinmetall Nomination lag nach den ersten sechs Monaten bei 3.097 Millionen Euro, ein Plus von rund 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Rheinmetall Backlog erreichte zum 30. Juni 25.274 Millionen Euro nach 21.593 Millionen Euro im Vorjahr. Medienberichten zufolge überschritt der Gesamt-Auftragsbestand im zweiten Quartal die Marke von 80 Milliarden Euro, nachdem Rheinmetall im Quartal Auftragsnominierungen von 11,371 Milliarden Euro verbuchte – darunter ein Vertrag über Loitering Munition mit der Bundeswehr sowie ein Auftragspaket mit Rumänien im Rahmen des EU-Programms SAFE. Weitere bedeutende Neuaufträge kamen aus Polen für Panzermunition sowie aus Deutschland für Artilleriegeschosse und Artilleriewaffensysteme. Bis Ende 2026 strebt der Konzern einen Auftragsbestand von 100 bis 120 Milliarden Euro an.

„Wir haben ein Rekordwachstum erzielt und sind auf gutem Weg, unsere Jahresziele zu erreichen, die weiterhin sehr ambitioniert sind“, erklärte Papperger zur Entwicklung und verwies auf die starke Auftragslage, den Kapazitätsausbau und die Leistung der Belegschaft.

Analysten driften auseinander

Nach den Zahlen reagierten Analysten uneinheitlich. mwb research stufte die Aktie am Donnerstag von Hold auf Sell herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro, mit Verweis auf erwartete Veränderungen bei den deutschen Beschaffungsprioritäten. UBS-Analyst Sven Weier hielt am selben Tag an seiner Kaufempfehlung fest und beließ sein Kursziel bei 1.600 Euro – die konservativeren Konzernziele seien Ausdruck vorsichtiger Planung, die am langfristigen Umsatzpotenzial nichts ändere.