Neue Kooperationen, mögliche Milliardenaufträge und weitere Übernahmen: Rheinmetall baut seine Position im europäischen Verteidigungssektor weiter aus. Gleichzeitig zeigt sich an der Börse, dass eine starke Auftrags-Pipeline allein derzeit nicht ausreicht. Nach der gesenkten Jahresprognose und neuen Berichten über mögliche Verzögerungen bei der Auslieferung von Skyranger an die Bundeswehr rückt die tatsächliche Umsetzung immer stärker in den Mittelpunkt.

Ein besonders langfristiges Projekt entsteht gemeinsam mit Lockheed Martin. Ab 2027 sollen in Unterlüß ATACMS-Raketen produziert werden, mit ersten Umsätzen rechnet Rheinmetall allerdings erst ab 2028. Bei der Luftwaffenübung Timber Express in Manching demonstrierte der Konzern zudem gemeinsam mit Hensoldt die Integration des Passivradars Twinvis in das Skymaster-Kommando- und Waffeneinsatzsystem. Unter realistischen NATO-Bedingungen wurde dabei auch die Anbindung an das militärische Netzwerk Link-16 getestet.

Noch größer könnte das Projekt „Arminius“ werden. Für bis zu 3.000 Boxer-Radpanzer der Bundeswehr soll die finale Entscheidung laut Papperger in der ersten oder zweiten Dezemberwoche fallen. Die Gespräche mit den zuständigen Behörden liefen im August, ein Abschluss der Verhandlungen war zunächst für September angestrebt worden. Parallel hält sich Rheinmetall nach der Übernahme der Marinesparte NVL auch für weitere Zukäufe offen; als mögliche Option gilt unter anderem das Militärfahrzeuggeschäft von Iveco.

Umsetzung ist derzeit nicht mehr so glaubhaft, meinen die Märkte wohl

Doch genau in dieser Phase kommen Zweifel an der Umsetzung auf. Beim Skyranger 30 erwartet die Bundeswehr laut internen Unterlagen eine mögliche Verschiebung von Mitte 2026 auf Mitte 2027, während Rheinmetall nur von fünf Monaten Verzögerung ausgeht. Beim Schweren Waffenträger Infanterie mit 123 Fahrzeugen und 2,7 Milliarden Euro Auftragsvolumen rechnen die Beschaffungsbehörden mit mindestens elf Monaten Verzug.

Diese Nervosität blieb am Montag auch am Kurs sichtbar: Mit einem Abschlag von über -2,3 % beendete Rheinmetall den Handel bei 1.122 Euro. Zuvor hatte die Aktie nach der gesenkten Jahresprognose deutlich nachgegeben, auf Wochensicht lag das Minus zeitweise bei ca. 5 %, seit Jahresbeginn bei rund – 28 %. Analysten geben aktuell noch nicht auf. Die Kursziele bleiben noch immer beeindruckend hoch.