Rheinmetall baut seine Fertigung aus, doch zusätzliche Kapazitäten sind nicht mit gesicherten Lieferterminen gleichzusetzen. Das verdeutlicht der heute bekannt gewordene Bericht über mögliche Verzögerungen beim Flugabwehrpanzer Skyranger. Für Anleger zählt deshalb neben neuen Aufträgen und Werkseröffnungen vor allem, ob einzelne Programme ihren Zeitplan halten können.

Skyranger stellt die Umsetzung infrage

Laut Handelsblatt plant das Heer wegen erheblicher Verzögerungen beim Skyranger die Beschaffung von 48 GARMR-Drohnenabwehrsystemen von Diehl als Zwischenlösung. Der Zeitplan für das Rheinmetall-System könnte sich demnach um zwei bis drei Jahre verschieben.

Damit hätte die Verzögerung eine konkrete Beschaffungsfolge: Das Heer würde seinen zwischenzeitlichen Bedarf mit einem anderen System abdecken. Eine endgültige Beschaffungsentscheidung ist damit ebenso wenig beschrieben wie ein bereits verbindlich verschobener Skyranger-Lieferplan. Für Rheinmetall rückt dennoch die Umsetzung dieses Programms in den Mittelpunkt.

Die Unterscheidung ist für die Bewertung wichtig. Ein wachsendes industrielles Angebot beantwortet noch nicht die Frage, wann ein bestimmtes Waffensystem tatsächlich verfügbar ist. Die Fortschritte an anderen Standorten können den möglichen Skyranger-Verzug deshalb nicht unmittelbar entkräften.

Albacete erweitert die Fertigungsbasis

Einen konkreten Produktionsfortschritt meldete Rheinmetall am 16. Oktober aus Spanien. Die Tochtergesellschaft Rheinmetall Expal Munitions nahm in Albacete eine neue Mittelkaliberfertigung in Betrieb. Die jährliche Kapazität soll rund drei Millionen Komponenten betragen; in den Ausbau investierte Rheinmetall rund 20 Millionen Euro.

Hier geht es um eine bereits in Betrieb genommene Fertigung, nicht lediglich um eine Ausbauabsicht. Zugleich bezeichnet die Kapazitätsangabe das vorgesehene jährliche Leistungsvermögen und keine bereits erreichte Produktionsmenge. Anleger sollten diese Größen auseinanderhalten.

Gestern eröffnete Rheinmetall außerdem die „UK Gun Hall“ in Telford. Dort werden nach Unternehmensangaben Großkaliberwaffen gefertigt. Beide Standortmeldungen belegen den Ausbau der Fertigungsbasis, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über den Zeitplan des Skyranger.

Auftragsmeldungen ersetzen keine Liefernachweise

Auf der Nachfrageseite steht die gestrige Meldung zum Gemeinschaftsunternehmen Leonardo Rheinmetall Military Vehicles. Laut Reuters soll es zwei Verträge mit dem italienischen Heer im Gesamtwert von 3,7 Milliarden Euro erhalten haben. Reuters beruft sich dabei auf die Zeitung MF.

Die Verträge betreffen A2CS-Kampffahrzeuge und MBT-Kampfpanzer. Für Anleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Rheinmetall erweitert seine industrielle Basis und wird mit weiteren Großaufträgen in Verbindung gebracht.

Der Skyranger-Bericht zeigt zugleich, weshalb Auftragsvolumen, Fertigungskapazität und termingerechte Auslieferung getrennt bewertet werden müssen. Wachstumsperspektiven allein lösen das Ausführungsrisiko einzelner Programme nicht auf.