1.450 Euro sind für die Rheinmetall-Aktie derzeit fast interessanter als das offizielle Kursziel von Goldman Sachs. Analyst Sam Burgess kommt selbst in einem ausgesprochen pessimistischen Szenario auf diesen fairen Wert. Dabei unterstellt er, dass das hochprofitable Munitionsgeschäft ab 2030 deutlich zurückgeht. Sein reguläres Kursziel liegt mit 2.300 Euro noch wesentlich höher. Davon ist die Aktie weit entfernt. Am Dienstag gewann Rheinmetall bis zum Nachmittag 3,57 % auf 1.057,20 Euro. Bis zum regulären Goldman-Ziel ergibt sich damit ein Potenzial von rund 118 %. Selbst die pessimistische Bewertung von 1.450 Euro liegt noch gut 37 % über dem aktuellen Kurs.

Aktie ist deutlich unterbewertet. Oder?

Die positive Analystenstudie betrifft indes eine Aktie, die in den vergangenen Monaten erheblich unter Druck geraten ist. Nach der früheren Top-Bildung zwischen 1.950 und 2.000 Euro setzte ein hartnäckiger Abwärtstrend ein. Ende Juni hatte sich der Kurs gegenüber den Spitzen zeitweise nahezu halbiert. Eine spätere Erholung endete bereits im Bereich um 1.250 Euro. Auch die 50-Tage-Linie wurde anschließend wieder unterschritten. Zwischen 950 und 1.000 Euro bildete sich daraufhin eine wichtige Unterstützungszone. Der Dienstagsanstieg verschafft der Aktie etwas Abstand zu diesem Bereich, ändert aber noch nichts an den darüberliegenden Widerständen.

Den hohen Analystenbewertungen stehen starke operative Größen gegenüber. Rheinmetall erzielte im zweiten Quartal 3,29 Milliarden Euro Umsatz und einen operativen Gewinn von 475 Millionen Euro. Das EBITDA erreichte 629 Millionen Euro, der Gewinn je Aktie 7,52 Euro. Ende Juni belief sich der Auftragsbestand auf mehr als 80 Milliarden Euro. Die hohen Investitionen in zusätzliche Kapazitäten belasten allerdings den freien Mittelzufluss. Hinzu kam eine Senkung der Umsatzprognose. Damit gewinnt die Frage an Gewicht, wie schnell Rheinmetall den gewaltigen Auftragsbestand in Umsatz, Gewinn und Cashflow umsetzen kann.

Charttechnisch wartet oberhalb des aktuellen Kurses zunächst der Bereich um 1.250 Euro, an dem die jüngste Erholung gescheitert war. Weitere Hürden liegen zwischen etwa 1.450 und 1.500 Euro. Ausgerechnet am unteren Rand dieser Zone liegt mit 1.450 Euro jener Wert, den Goldman Sachs selbst unter deutlich schwächeren langfristigen Annahmen für das Munitionsgeschäft errechnet.