Ein Kartellrechtler zieht einen brisanten Vergleich. Rheinmetall entwickle sich zur „Google der Rüstungsbranche“, warnt Rupprecht Podszun, Jura-Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied der Monopolkommission. Die Dominanz des DAX-Konzerns in nahezu allen militärischen Lieferketten könnte zum Problem werden — auch für die Bundeswehr.
Von Panzern zu Drohnen: Expansion auf allen Fronten
Rheinmetall hat sich in wenigen Jahren vom reinen Panzer-Spezialisten zum Systemanbieter über alle Teilstreitkräfte entwickelt. Das Portfolio umfasst heute Drohnen, Satellitensysteme und maritime Rüstungsgüter. Die Übernahme der Bremer Marinewerft NVL Anfang 2026 markiert den vorläufigen Höhepunkt dieser Strategie.
Die Folge: Der Konzern ist tief in den Beschaffungsketten verankert. Bei Spezialmunition — etwa temperierbare Artillerie- und Flugabwehrmunition — verfügt Rheinmetall in Deutschland über eine monopolähnliche Stellung. Die Bundeswehr ist in vielen Segmenten faktisch auf den Düsseldorfer Konzern angewiesen.
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Regulierung könnte Wachstum bremsen
Podszun warnt: Extrem dominante Akteure seien im Nachhinein schwerer zu regulieren. Sollte die Politik künftig schärfere Maßnahmen ergreifen oder gezielt ausländische Konkurrenz stärken, könnte das Wachstumstempo spürbar leiden. Das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr gilt als einer der Haupttreiber des Geschäfts — eine Abhängigkeit, die in beide Richtungen wirkt.
Operativ läuft das Geschäft unterdessen auf Hochtouren. Der Auftragsbestand beträgt rund 73 Milliarden Euro. Nach 9,9 Milliarden Euro Umsatz 2025 peilt das Management für 2026 einen Korridor zwischen 14,0 und 14,5 Milliarden Euro an. Die operative Marge soll bei 19 Prozent liegen.
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Kurs unter Druck trotz Rekordauftragslage
An der Börse spiegelt sich die Rekordauftragslage nicht wider. Die Aktie notiert bei 1.237,80 Euro — 38 Prozent unter dem Allzeithoch von knapp 2.000 Euro aus dem Oktober 2025. Seit Jahresanfang verlor das Papier 23 Prozent. Immerhin: Das jüngste 52-Wochen-Tief bei 1.118 Euro vom 13. Mai liegt bereits wieder 11 Prozent darunter.
Analysten werten die Schwäche mehrheitlich als übertrieben. Jefferies senkte das Kursziel zwar von 2.220 auf 1.890 Euro, bestätigte aber „Buy“. Barclays bleibt bei „Overweight“ mit einem Ziel von 2.035 Euro. Beide verweisen auf das fundamentale Wachstum.
Die Monopol-Debatte dürfte das Papier mittelfristig belasten. Regulierungsrisiken sind schwer zu kalkulieren — und bislang im Kurs kaum eingepreist.
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