Rheinmetall steht an der Börse unverändert unter Druck, während der Düsseldorfer Rüstungskonzern gleichzeitig neue Produktionskapazitäten aufbaut. Am Dienstag gab die Aktie 2,79 % nach und erreichte 1.079,80 Euro. Am Mittwoch nun geht es in homöopathischen Dosen aufwärts. 1080 Euro stehen auf den Kurstafeln, das ist viel zu wenig, um einen Aufwärtstrend zu erzeugen. Auch Hensoldt, Renk und TKMS gerieten in diesem Umfeld unter Verkaufsdruck.

Rheinmetall: Verzögerungen ein Grund!?

Für die aktuelle Schwäche sorgen Berichte über Verzögerungen bei 2 zentralen Rüstungsprojekten. Interne Unterlagen der Bundeswehr und des Beschaffungsamtes stellen die Termintreue infrage, während Rheinmetall die Abweichungen mit kundenbedingten Anpassungen erklärt. Parallel sind erneut angebliche Qualitätsmängel bei Schutzplatten Thema. Das Verteidigungsministerium hatte den Einsatz bestimmter Komponenten bereits untersagt.

Die operative Basis bleibt dennoch ausgesprochen gut. Beim DZ Bank Expert Day verwies das Management auf ein Rekordquartal und einen Auftragsbestand von 80,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig könnte ein gemeinsamer Auftrag mit KNDS über gut 1.800 Boxer-Fahrzeuge fast 25 Milliarden Euro umfassen. Ab 2027 steht zusätzlich ein Wartungsvertrag von rund 4 Milliarden Euro im Raum.

Ein anderer Blick auf die Expansion führt nach Kassel. Rheinmetall investiert rund 270 Millionen Euro in ein Logistik- und Technologiezentrum am Flughafen Kassel-Calden. Die Inbetriebnahme ist für Ende 2027 geplant. Neben zusätzlichen Kapazitäten für Boxer-Fahrzeuge soll dort ein Drohnen-Testzentrum entstehen. Kassel soll langfristig zu einem der größten Panzerstandorte Europas wachsen.

Auch neue Bundeswehr-Bestellungen erweitern das Geschäft. Am 17. August erhielt Rheinmetall einen Auftrag über 149 mobile Sanitätsstationen mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro. Die Produktion soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Am 25. August folgte ein erster Abruf aus G-CAP II SU für ein modulares Camp in Litauen, das bis zu 2.000 Soldaten aufnehmen kann.

Dem Auftragspotenzial steht eine korrigierte Umsatzplanung gegenüber. Für 2026 erwartet Rheinmetall inzwischen 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro statt 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro. Die Aufgabe des deutschen Fregattenprogramms F126 trug zu dieser Anpassung bei. Dadurch zeigt sich, wie stark einzelne Großprogramme die Umsatzentwicklung beeinflussen. Beim Cashflow fällt ebenfalls eine Zahl auf: Im zweiten Quartal lag der Free Cashflow bei minus 1,6 Milliarden Euro. Rheinmetall verweist auf den Aufbau von Vorräten, mit denen die Lieferfähigkeit bei hohen Beständen abgesichert werden soll. Zusätzlich steht eine mögliche Wolfram-Verknappung im Raum, ohne dass der Konzern seine Umsatzprognose deshalb bislang verändert hat.

Die Kursentwicklung entfernt sich damit weiter vom Rekordniveau von 2.007 Euro, das am 3. Oktober 2025 erreicht wurde. Seit Jahresbeginn beträgt der Rückgang rund 30 %. Analysten halten mit weiterhin deutlich höheren Kurszielen dagegen. Die liegen bei annähernd 1.700 Euro!