Rheinmetall gehörte am Mittwoch zu den schwächsten Werten im DAX. Die Aktie fiel um 2,8 Prozent auf 1.177,80 Euro, nachdem der Analyst-Sell des Analysehauses mwb research die Runde machte. Auslöser ist eine Warnung vor einer möglichen Auftragslücke ab dem Jahr 2028.

Die Rechnung von mwb research

mwb research bezieht sich auf den Auftragsbestand von Rheinmetall in Höhe von 80,5 Milliarden Euro, den der Rüstungskonzern zum Halbjahresstichtag Ende Juni ausgewiesen hatte. Die Analysten rechnen vor, dass davon für das Jahr 2028 nur rund 2,4 Milliarden Euro an Umsatz realisierbar seien. Das steht in scharfem Kontrast zur eigenen Prognose von mwb research für 2028 von 22,63 Milliarden Euro Umsatz sowie zum Marktkonsens von 25,4 Milliarden Euro.

Um diese Lücke zu schließen, müsste Rheinmetall nach Berechnung des Analysehauses bis 2028 zusätzliche Aufträge von rund 65 Milliarden Euro einsammeln. mwb research hält die aktuellen Markterwartungen deshalb für zu hoch und bestätigt die Einstufung „Sell“ mit einem Kursziel von 1.050 Euro.

Die Prognosen des Hauses für die kommenden Jahre lauten: 2026 ein Umsatz von 13,81 Milliarden Euro bei einem EBIT von 2,62 Milliarden Euro, 2027 dann 18,78 Milliarden Euro Umsatz und 3,75 Milliarden Euro EBIT, 2028 schließlich 22,63 Milliarden Euro Umsatz und 4,52 Milliarden Euro EBIT.

Kursreaktion und Einordnung

Die Warnung traf die Aktie an einem insgesamt schwachen Handelstag. Rheinmetall war zunächst freundlich in den Mittwochshandel gestartet, drehte im Tagesverlauf aber ins Minus und rutschte zum schwächsten DAX-Wert ab. Der Gesamtmarkt gab an diesem Tag nur moderat nach, der Leitindex verlor rund 0,1 Prozent auf gut 26.100 Punkte – der Rheinmetall-Abschlag fällt damit deutlich stärker aus als die Marktbewegung.

Trotz des Rückschlags bleibt die mittelfristige Kursentwicklung robust: Auf Monatssicht steht bei Rheinmetall noch ein Plus von 19 Prozent, was auf eine kräftige Erholungsbewegung der vergangenen Wochen hindeutet. Auf Jahressicht dagegen liegt die Aktie 25 Prozent im Minus, und seit Jahresbeginn beträgt der Verlust 24 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007 Euro, erreicht Anfang Oktober, ist das Papier inzwischen 41 Prozent entfernt.

Rüstungsboom als Gegenargument

Der Skepsis von mwb research steht die politische Großwetterlage entgegen, die viele andere Marktteilnehmer als Kaufargument für Rüstungswerte anführen. Die NATO hat sich auf eine Zielmarke von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben bis 2035 verständigt, davon 3,5 Prozentpunkte für den Kernbereich.

Deutschland plant für 2026 Verteidigungsausgaben von 108,2 Milliarden Euro, bis 2029 sollen es 152 Milliarden Euro werden. Weltweit summieren sich die Rüstungsausgaben bereits auf 2,9 Billionen US-Dollar – der elfte Rekordwert in Folge.

Ob diese langfristigen Budgetzusagen tatsächlich in neue Großaufträge für Rheinmetall münden, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Jahre. mwb research bezweifelt, dass das Tempo der Auftragseingänge mit den Umsatzerwartungen des Marktes Schritt halten kann.

Die Konkurrenz aus den USA und Europa – darunter BAE Systems, Thales, General Dynamics, Lockheed Martin und Northrop Grumman – entwickelte sich am Mittwoch uneinheitlich, ohne vergleichbar starke Ausschläge wie Rheinmetall zu zeigen.