Milliardenschwere Militärhilfe für die Ukraine, positive Signale vom NATO-Gipfel – und trotzdem rauscht der Kurs weiter nach unten. Bei Rheinmetall klafft die Lücke zwischen politischer Nachricht und Börsenreaktion gerade besonders weit auseinander. Zwei Analystenhäuser haben ihre Kursziele gesenkt, und der Markt reagiert nervös.

Die Aktie notiert aktuell bei 987,20 Euro und verliert damit 2,30 Prozent. Am Vortag hatte der Kurs noch bei 1.010,40 Euro geschlossen. Auf Wochensicht steht ein Minus von rund 10 Prozent, auf Monatssicht sogar 17,4 Prozent.

Nato verschiebt Prioritäten

Beim NATO-Gipfel in Ankara sagten die Verbündeten für dieses Jahr 70 Milliarden Euro an Militärhilfe für die Ukraine zu. Ab 2027 soll die Unterstützung mindestens auf diesem Niveau bleiben. Eigentlich ein Signal, das der europäischen Rüstungsindustrie nützen sollte.

An der Börse überwiegt trotzdem die Skepsis. Analyst Jens-Peter Rieck von MWB Research strich seine Kaufempfehlung für Rheinmetall. Er senkte das Kursziel auf 1.150 Euro. Seine Begründung: Die Nato verlagert ihre Prioritäten. Luftverteidigung, weitreichende Waffen, Drohnen und Überwachung rücken stärker in den Fokus – nicht unbedingt die klassischen Rheinmetall-Kernprodukte.

Berenberg bleibt bei Kaufempfehlung, senkt aber das Ziel

Auch das Bankhaus Berenberg wird vorsichtiger. Analyst George McWhirter senkte das Kursziel von 1.750 auf 1.600 Euro. Die Kaufempfehlung bleibt bestehen.

Als Grund nennt McWhirter vor allem die Nachwirkungen der gescheiterten Fregatten-Vergabe. Die Bundesregierung hatte das F-126-Projekt vor zwei Wochen gestoppt. Diese Entscheidung wirkt an den Märkten offenbar nach.

Am Mittwoch traf es die Aktie besonders hart. Der Gesamtmarkt schwächelte ohnehin, Rheinmetall verlor aber überproportional und rutschte mit einem Minus von rund fünf Prozent ans Ende des DAX.

Charttechnik zeigt intakten Abwärtstrend

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38,4 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 46,6 Prozent. Der aktuelle Kurs liegt nur noch 9,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro, das erst am 25. Juni markiert wurde.

Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro aus dem September 2025 beträgt der Abstand mittlerweile mehr als 50 Prozent. Auch die gleitenden Durchschnitte signalisieren Schwäche: Der Kurs notiert 15,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 35 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.

Der RSI von 36,7 nähert sich zwar der überverkauften Zone. Ein klares Umkehrsignal liefert er aber nicht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 69 Prozent zeigt zudem: Die Ausschläge bei Rheinmetall sind derzeit außergewöhnlich groß – in beide Richtungen.

Der nächste wichtige Termin rückt damit in den Blick: die Halbjahreszahlen. Dort muss der Konzern zeigen, ob er die zuletzt bekannten Lieferprobleme bei Munition und Lastkraftwagen in den Griff bekommt. Erst dann zeigt sich, ob operative Fortschritte die Skepsis der Analysten auffangen können.