Rheinmetall kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag fiel die Aktie um 3,2 Prozent auf 1.036,00 Euro und markierte damit eine weitere Etappe im seit Wochen anhaltenden Abwärtstrend. Neu ist diesmal der Auslöser: Neben der fortwirkenden Neubewertung nach der Guidance-Senkung vom 6. August rückt zunehmend Konzernchef Armin Papperger selbst in den Fokus der Kritik.

Short-Position und Führungskritik

Der Hedgefonds Capital Fund Management hat laut Meldedaten eine Netto-Leerverkaufsposition von 0,90 Prozent der Rheinmetall-Anteile aufgebaut – ein Signal, dass professionelle Marktteilnehmer auf weiter fallende Kurse setzen. Parallel mehren sich Medienberichte, die Papperger wegen gestoppter Großprojekte, Lieferverzögerungen und einer stark personenzentrierten Führungsstruktur unter Druck sehen.

Konkret geht es um das gestrichene Fregattenprogramm F126, bei dem die Bundeswehr nun auf Angebote der Wettbewerber Helsing und Airbus wartet, sowie um Verzögerungen bei der Boxer-Beschaffung im Rahmen des Arminius-Projekts: Das erste Kontingent im Volumen von 12,4 Milliarden Euro wurde erst Ende 2026 bestellt, später als ursprünglich vorgesehen.

Diese Häufung operativer Rückschläge trifft einen Konzern, der noch im Frühjahr mit ambitionierten Wachstumszielen aufgetreten war. Beim Capital Markets Day im vergangenen November hatte Rheinmetall eine Verfünffachung des Umsatzes bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, bei einer operativen Marge von über 20 Prozent. Die aktuellen Verzögerungen nähren Zweifel, ob dieses Tempo tatsächlich zu halten ist.

Operatives Geschäft bleibt robust

Fundamental steht der Konzern dabei keineswegs schlecht da. Die Auftragsbücher sind mit 80 bis 80,5 Milliarden Euro prall gefüllt, ein Plus von 44 Prozent, wovon 70 Prozent Festaufträge sind.

Die Book-to-Bill-Ratio liegt über dem Faktor 3. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 69 bis 70 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro bei einer Marge von 17,1 Prozent.

Für das Gesamtjahr rechnet Rheinmetall nun mit 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz – weniger als ursprünglich geplant, aber immer noch ein organisches Wachstum von 28 bis 31 Prozent.

Der Widerspruch zwischen starken operativen Zahlen und schwacher Kursentwicklung lässt sich mit der veränderten Risikowahrnehmung erklären. JPMorgan-Analyst David Perry stufte die Aktie am 7. Mai von „Overweight“ auf „Neutral“ zurück und senkte das Kursziel auf 1.500 Euro.

Seine Begründung: Zwar seien die Q2-Zahlen stark ausgefallen, doch die mittelfristigen Unsicherheiten hätten zugenommen, da aktualisierte Prognosen für Auftragsbestand und Investitionen auf niedrigere Umsätze zwischen 2027 und 2030 hindeuteten.

Insiderkäufe als Kontrapunkt

Bemerkenswert ist, dass Papperger über seine Beteiligungsgesellschaft ATP Holding im Juni in drei Tranchen Aktien im Gesamtwert von rund 12 Millionen Euro zukaufte – zuletzt am 25. Juni zu einem Durchschnittskurs von 954,62 Euro, nahe dem heutigen 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro.

Diese Käufe fanden vor der aktuellen Debatte um seine Führungsrolle statt und lassen sich als Vertrauensbekundung in die eigene Strategie lesen. Ob sie ausreicht, um die Zweifel an der operativen Umsetzung der ambitionierten Wachstumspläne zu zerstreuen, muss sich erst noch zeigen.

Für Anleger bleibt die Gemengelage aus soliden Auftragsbüchern, gesenkter Guidance und personeller Kritik an der Konzernspitze ein Balanceakt, der sich in der hohen Kursvolatilität der vergangenen Wochen bereits deutlich niedergeschlagen hat.