Die kanadische Großbank RBC hat die Rheinmetall-Aktie am heutigen Dienstag erstmals in ihre Coverage aufgenommen – gleich mit dem Prädikat „Outperform“ und einem Kursziel von 1.600 Euro. Analyst Colin Moody begründet seinen optimistischen Einstieg mit der starken Positionierung des Düsseldorfer Rüstungskonzerns bei den europäischen Aufrüstungsprogrammen.

Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen EBITA-Wachstum von 35 Prozent sowie einem steigenden freien Cashflow, der Rheinmetall zusätzlichen Spielraum für Übernahmen verschaffen soll.

Der Markt reagierte am Dienstag zunächst verhalten positiv: Die Aktie notiert bei 1.160,00 Euro und liegt damit 1,35 Prozent im Plus. Vom Rekordhoch bei 2.007,00 Euro, das die Aktie Anfang Oktober markiert hatte, ist das Papier allerdings noch immer rund 42 Prozent entfernt. Genau in dieser Lücke zwischen aktuellem Kurs und historischem Höchststand liegt die Wette, die RBC mit seinem Kursziel eingeht.

Kapazitätsausbau als Beleg für Wachstumsstory

Die Zuversicht der Analysten speist sich nicht aus einer isolierten Prognose, sondern aus der operativen Entwicklung des Konzerns. Rheinmetall hat seine Kapazität bei Artilleriemunition nach eigenen Angaben von 70.000 auf eine Million Schuss pro Jahr hochgefahren und damit die Vereinigten Staaten bei konventioneller Munition überholt.

Diese Größenordnung liefert die Grundlage für die von RBC unterstellten Wachstumsraten – ein Unternehmen, das seine Fertigungskapazität derart vervielfacht, braucht wachsendes Auftragsvolumen, um sie auszulasten, und genau das erwartet Moody bis zum Ende des Jahrzehnts.

Politisch flankiert wird diese Entwicklung von Rheinmetall-Chef Armin Papperger, der Anfang Juli scharfe Kritik an der früheren Bundesregierung geübt hatte. Er warf der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, die deutsche Rüstungsindustrie über Jahre „in die Schmuddelecke gestellt“ und damit an den Rand gedrängt zu haben.

Papperger forderte mehr Tempo und Planungssicherheit für die Branche – eine Forderung, die angesichts der von RBC skizzierten Wachstumsraten auch als Werben um politische Rückendeckung für künftige Aufträge zu lesen ist.

Bewertung bleibt trotz Kursziel-Fantasie volatil

Für Anleger bedeutet die neue RBC-Einstufung zunächst vor allem eines: Ein weiteres namhaftes Haus stellt sich hinter die Wachstumsstory der europäischen Verteidigungsindustrie, mit Rheinmetall als einem ihrer prominentesten Vertreter. Das Kursziel von 1.600 Euro impliziert gegenüber dem aktuellen Niveau erhebliches Aufwärtspotenzial, sollte sich die unterstellte EBITA-Dynamik tatsächlich materialisieren.

Gleichzeitig bleibt die Aktie ein volatiles Investment. Die Kursschwankungen der vergangenen Monate zeigen, wie sensibel der Titel auf politische Signale, Auftragsmeldungen und Analystenkommentare reagiert.

Wer der RBC-These folgt, setzt darauf, dass der angekündigte Kapazitätsausbau bei Munition und die europäischen Aufrüstungsprogramme tatsächlich in die prognostizierten Ergebniszahlen münden – ein Szenario, das sich erst über die kommenden Quartale bestätigen muss.