Rheinmetall bekommt von mehreren Analysehäusern Rückenwind, während der Konzern den Verlust eines milliardenschweren Marineauftrags verarbeitet. RBC Capital Markets hat die Aktie am Dienstag von „Verkaufen“ auf „Kaufen“ hochgestuft und zugleich mit „Outperform“ neu in die Bewertung aufgenommen. Begründet wird der Schritt mit dem Wachstumspotenzial im europäischen Wiederaufrüstungszyklus.
Die Hochstufung fällt in eine Phase, in der Rheinmetall-Chef Armin Papperger öffentlich Unmut über den Wegfall des F126-Fregattenprojekts geäußert hatte. Er sei „sehr unzufrieden“ über den Verlust des Marineauftrags im Volumen von 10 Milliarden Euro, sagte Papperger.
Der Konzern hatte deshalb seine Umsatzprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, nachdem zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren.
Neue Geschäfte sollen Lücke füllen
Während die Marinesparte belastet bleibt, verbucht Rheinmetall an anderer Stelle neue Impulse. Deutschland und die Niederlande haben bei Rheinmetall und KNDS Boxer-Fahrzeuge bestellt.
Zudem meldeten Rheinmetall und Boeing eine Kooperation, um Deutschlands Weg zu Collaborative Combat Aircraft (CCA) zu beschleunigen. Beide Vorhaben unterstreichen, dass der Konzern trotz des Rückschlags im Marinegeschäft in mehreren Rüstungssegmenten gleichzeitig expandiert.
Auch beim Thema Drohnenabwehr wird Rheinmetall in der Berichterstattung mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen für Europa in Verbindung gebracht – ein Feld, das angesichts der sicherheitspolitischen Debatte an Bedeutung gewinnt.
Analystenlager bleibt insgesamt positiv gestimmt
Neben RBC hatte bereits Anfang der Woche die Deutsche Bank Research ihr „Buy“-Rating für Rheinmetall erneuert. Auch Warburg Research bestätigte nach den endgültigen Zahlen zum zweiten Quartal 2026 die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 1.500 Euro.
Die Reihe positiver Einschätzungen zeigt, dass der Auftragsverlust bei der Fregatte von den Analysten nicht als Bruch in der Wachstumsstory gewertet wird, sondern als isolierter Rückschlag in einem sonst breit aufgestellten Rüstungsgeschäft.
Die Aktie honoriert das Analystenlob: Nach dem gesenkten Ausblick vom Mittwoch reagierte der Kurs zunächst nur moderat, zog dann aber im Zuge der RBC-Hochstufung merklich an. Aktuell notiert das Papier bei 1.167,80 Euro, nach einem Schlusskurs von 1.175,00 Euro am Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,6 Prozent, was zeigt, dass der Markt die operative Substanz des Konzerns trotz der gekürzten Prognose insgesamt positiv einordnet.
Ausblick: Wachstum trotz Gegenwind
Für Anleger bleibt die Gemengelage differenziert: Der Wegfall des Marineauftrags kostet Rheinmetall spürbar Umsatz, doch neue Kooperationen bei Landsystemen und Luftfahrt sowie die frischen Kaufempfehlungen mehrerer Analysehäuser stützen das Vertrauen in die mittelfristige Wachstumsstory des Rüstungskonzerns.
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