Einen potenziellen Auftragseingang von bis zu 80 Milliarden Euro für 2026, ein Rekord-Backlog von 63,8 Milliarden Euro — und trotzdem steht die Aktie unter Druck. Rheinmetall liefert starke operative Zahlen, doch ein enttäuschender Free Cashflow hat Anleger zuletzt aufgeschreckt.

Wachstum auf breiter Front

Der Konzernumsatz kletterte 2025 um 29 Prozent auf 9,94 Milliarden Euro, das operative Ergebnis erreichte 1,84 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr peilt Rheinmetall einen Sprung auf 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro an — ein Wachstum von bis zu 45 Prozent. Die operative Marge soll dabei auf rund 19 Prozent steigen.

Rückenwind kommt auch aus der Berliner Beschaffungspolitik: Rund 85 Prozent der deutschen Rüstungsaufträge gehen mittlerweile an heimische Konzerne. Diese Präferenz für inländische Anbieter verschafft Rheinmetall strukturelle Vorteile gegenüber US-Wettbewerbern — besonders bei Großprojekten wie dem Radpanzer Boxer und dem Schützenpanzer Puma.

F126-Fregatten als Milliardenwette

Ein weiterer Wachstumstreiber ist die neu geschaffene Division Maritime Systems. Rheinmetall strebt an, im Sommer die Generalunternehmerschaft für das F126-Fregatten-Programm zu übernehmen — sechs Schiffe, rund 10 Milliarden Euro Gesamtvolumen. Die erste Auslieferung soll bereits im zweiten Halbjahr 2031 erfolgen, nachdem der ursprüngliche Auftragnehmer massiv in Verzug geraten war.

Grundlage dafür ist die im März abgeschlossene Übernahme der NVL-Marinewerft-Sparte von der Lürssen-Gruppe für 1,5 Milliarden Euro. Damit vervollständigt Rheinmetall seine vertikale Integration im Marineschiffbau.

Barclays sieht übertriebene Korrektur

Die kursbelastende Reaktion auf die Jahreszahlen erklärt sich vor allem durch den schwachen Free Cashflow: Hohe Vorinvestitionen in Kapazitäten und Materialbestände binden kurzfristig Liquidität — ein klassisches Wachstumsschmerz-Muster bei stark expandierenden Unternehmen.

Barclays wertet die Kursschwäche dennoch als übertrieben. Die Analysten verweisen darauf, dass die Aktie derzeit mit einem Abschlag von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Sektor gehandelt wird, und bekräftigten ihr Kursziel von 2.125 Euro bei unverändertem „Overweight“-Rating. Gemessen am aktuellen Kurs von rund 1.505 Euro entspräche das einem Aufwärtspotenzial von etwa 41 Prozent.

Die zentrale Herausforderung der kommenden Monate liegt in der Umsetzung: Der Backlog von 63,8 Milliarden Euro ist beeindruckend — entscheidend wird sein, wie schnell Rheinmetall Rahmenverträge in tatsächliche Abrufe und damit in Umsatz verwandeln kann.