Enttäuschend bleibt die Düsseldorfer Rheinmetall. Am Freitag verlor das Papier zwar nicht und legte formal mit 2,1 % sogar deutlich zu. Allerdings bleiben die Aussichten trüb: 984,20 Euro zeigen einen charttechnisch fulminanten Abwärtstrend an. Analysten haben zudem scheinbar reagiert und Kursziele gesenkt.

Dies wirkt auf den ersten Blick wie ein deutlicher Stimmungsumschwung. Tatsächlich fällt das Bild differenzierter aus. Zwar korrigieren mehrere Analysten ihre Erwartungen nach unten, an ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung des Rüstungskonzerns halten viele jedoch fest. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die aktuelle Geschäftslage als vielmehr die Frage, wie sich der Markt für Verteidigungstechnologie in den kommenden Jahren verändern wird.

Rheinmetall:BoFa hatte hier quasi reingehauen

Besonders deutlich wurde dies in einer neuen Analyse der Bank of America. Analyst Benjamin Heelan senkte am 17. Juli, am Freitag, sein Kursziel von 1.770 auf 1.300 Euro und bestätigte gleichzeitig die Einstufung „Buy“.

Den Hintergrund für die niedrigere Bewertung sieht Heelan vor allem in einem strukturellen Wandel innerhalb der Verteidigungsindustrie. Nach seiner Einschätzung verschiebt sich der Fokus der NATO und vieler Streitkräfte zunehmend von klassischen Waffen- und Munitionssystemen hin zu Drohnen, Präzisionswaffen und modernen Raketensystemen. Dadurch werden die langfristigen Wachstumsaussichten traditioneller Rüstungssparten vorsichtiger bewertet als noch vor einigen Monaten.

Mit dieser Einschätzung steht die Bank of America nicht allein. Bereits zuvor hatte auch Berenberg das Kursziel auf 1.600 Euro reduziert. Ausschlaggebend war dort vor allem die Entscheidung der Bundesregierung, das F126-Fregattenprogramm zu streichen.

Für Rheinmetall könnte dies im laufenden Jahr einen Umsatzrückgang von bis zu 300 Millionen Euro bedeuten, sofern keine Ersatzaufträge oder Kompensationen erfolgen. Auch der NATO-Gipfel Anfang Juli lieferte vielen Investoren keine neuen Impulse. Statt zusätzlicher Programme bestätigten die Mitgliedstaaten überwiegend bereits bekannte Ziele wie Verteidigungsausgaben von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die vorsichtigeren Einschätzungen bedeuten allerdings nicht, dass Analysten die Perspektiven des Unternehmens grundsätzlich infrage stellen. Vielmehr geht es um eine Neubewertung der langfristigen Wachstumserwartungen bis zum Ende des Jahrzehnts. Auch die durchschnittlichen Kursziele liegen weiterhin deutlich über dem aktuellen Kursniveau und spiegeln damit das anhaltende Vertrauen vieler Marktbeobachter wider: Sie liegen bei fast 1.700 Euro. Das sind über 70 %!