Die Aktie von Rheinmetall bekommt Unterstützung von einer Nachricht, die eigentlich einen anderen Rüstungskonzern betrifft. Der U-Boot- und Marinebauer TKMS hat am Donnerstag seine Jahresprognose angehoben und damit einen kräftigen Kursausschlag ausgelöst. Für Rheinmetall wirkt das wie ein Signal für die gesamte Branche.
TKMS liefert den Impuls
TKMS erhöhte die Erwartung für das Umsatzwachstum im laufenden Geschäftsjahr auf 10 bis 12 Prozent, zuvor waren nur 2 bis 5 Prozent avisiert. Die operative Marge soll auf bis zu 6,5 Prozent steigen. Grundlage ist ein prall gefülltes Auftragsbuch: In den ersten neun Monaten wuchs der Umsatz um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro, das Ergebnis um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.
Der Auftragsbestand summiert sich auf 20,1 Milliarden Euro, getrieben unter anderem von einem Großauftrag über vier Fregatten für die Deutsche Marine mit Option auf vier weitere Schiffe sowie U-Boot-Geschäften mit Kanada und Indien. Die TKMS-Aktie schoss zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben. Das Bankhaus Metzler nannte ein Kursziel von 115 Euro.
Für Anleger in Rheinmetall ist das mehr als eine Randnotiz. Die Papiere der beiden Unternehmen werden am Markt zunehmend als Gradmesser für die gleiche Investitionsdynamik in der europäischen Verteidigungsindustrie gelesen.
Steigt das Auftragsvolumen bei einem Rüstungskonzern spürbar, wertet der Markt das oft als Bestätigung für die Wachstumsstory der ganzen Branche – und Rheinmetall gilt darin als einer der größten Profiteure der europäischen Aufrüstung.
Kurs stabilisiert sich, Widerstandszone entscheidet
Die Rheinmetall-Aktie notiert am Donnerstag bei 1.188,60 Euro und damit 1,2 Prozent über dem Vortagesschluss. Damit setzt sich eine Erholung fort, die den Titel binnen 30 Tagen um 22 Prozent nach oben getragen hat.
Entscheidend für die weitere Richtung ist nun eine Widerstandszone um 1.200 Euro: Gelingt der nachhaltige Ausbruch über diese Marke, könnte die Erholung an Fahrt gewinnen, scheitert der Vorstoß erneut, droht ein Rückfall in die vorherige Konsolidierung.
Trotz des jüngsten Kursanstiegs bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch weit entfernt, das im Oktober 2025 markiert wurde. Belastet hat den Titel zuletzt vor allem die gesenkte Umsatzprognose infolge des ausgefallenen F126-Auftrags.
Am fundamentalen Bild ändert das aus Sicht vieler Analysten jedoch wenig: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.700 Euro, wobei die Einschätzungen zwischen 1.350 und 2.300 Euro streuen – eine Spanne, die auf erhebliche Unsicherheit über das künftige Auftragstempo hindeutet, aber auch auf ein grundsätzlich intaktes Vertrauen in das Geschäftsmodell.
Rüstungsbranche im Fokus der Sicherheitspolitik
Der Rückenwind für Rheinmetall und TKMS fällt in eine Zeit, in der Sicherheitsfragen in Deutschland verstärkt in den Vordergrund rücken. Nach dem Fund einer Drohne mit Sprengstoff und Zünder am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August erwägt Sachsens Innenminister Armin Schuster einen sächsischen Sicherheitsrat nach dem Vorbild des Nationalen Sicherheitsrates, der eine dreistellige Zahl kritischer Infrastrukturobjekte wie Energie- und Wasserversorgung besser schützen soll.
Die Ermittlungen des Generalbundesanwalts laufen. Solche Vorfälle befeuern die politische Debatte über Investitionen in Sicherheit und Verteidigung – ein Umfeld, das der gesamten Rüstungsbranche zugutekommt und die Wachstumserwartungen für Unternehmen wie Rheinmetall stützt.
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