Nach einem spürbaren Dämpfer schaltet die Rheinmetall-Aktie wieder auf Angriff. Das Papier kletterte am Mittwoch auf XETRA zeitweise bis auf 1.223,40 Euro und untermauerte damit die Rückkehr über die psychologisch wichtige Marke von 1.200 Euro. Ende Juni sah die Welt noch anders aus: Der Ausstieg des Bundesverteidigungsministeriums aus dem milliardenschweren Fregattenprojekt F126 schickte den Kurs kurzzeitig auf rund 940 Euro abwärts. Rheinmetall ging bei dem Großauftrag leer aus, was die Investoren zunächst verunsicherte.
Rekordzahlen fegen die Zweifel hinweg
Die operative Realität hat den Rücksetzer jedoch schnell wieder wettgemacht. Die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal zeichnen ein Bild dynamischen Wachstums: Der Umsatz kletterte um rund 69 % auf knapp 3,29 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schnellte auf 562 Millionen Euro hoch und übertraf die Erwartungen der Analysten um fast 20 %. Treibende Kraft war eine breite operative Entwicklung, da sämtliche Geschäftsbereiche kräftig zum Sprung beitragen konnten.
Auftragsbücher platzen aus allen Nähten
Ein wesentlicher Kurstreiber bleibt die enorme globale Nachfrage. Der Auftragsbestand überschritt im zweiten Quartal erstmals die historische Marke von 80 Milliarden Euro. Ein Großauftrag über Loitering Munition für die Bundeswehr und ein EU-Paket mit Rumänien sorgten für frischen Rückenwind. Zwar belastet ein vorübergehend negativer operativer Free Cashflow die Zahlen – verursacht durch verschobene Anzahlungen und hohe Investitionen –, doch der Ausbau der Kapazitäten läuft ungehindert weiter.
US-Expansion stärkt die Unabhängigkeit
Zusätzliche Impulse liefert das Geschäft in Nordamerika. Die Tochter American Rheinmetall sicherte sich einen Entwicklungsauftrag der US-Armee für autonome, hybridbetriebene Bodenfahrzeuge. Dieser Erfolg unterstreicht die zunehmende Unabhängigkeit von einzelnen Entscheidungen der deutschen Politik. Am Donnerstag folgt mit dem vollständigen Halbjahresbericht das entscheidende Signal für den Cashflow und die finale Jahresprognose.
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