Die Rheinmetall-Aktie kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag schloss das Papier bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent binnen eines Tages. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der den Titel innerhalb von 30 Tagen um 14 Prozent hat einbrechen lassen. Der Widerspruch zwischen operativer Stärke und Kursentwicklung treibt Anleger um: Während der Auftragsbestand mehr als 80 Milliarden Euro umfasst, sucht die Aktie weiter nach einem Boden.
Gesenkte Umsatzprognose belastet trotz voller Auftragsbücher
Auslöser der jüngsten Schwäche ist die gesenkte Umsatzprognose für 2026, verursacht durch Projektverzögerungen und den Verlust des F126-Fregattenauftrags an TKMS. Im zweiten Quartal war der Umsatz noch um 70 Prozent gestiegen, das operative Ergebnis sogar um 115 Prozent – Zahlen, die zeigen, dass das operative Geschäft brummt.
Die Marge liegt Berichten zufolge bei rund 19 Prozent. Dennoch überwiegt an der Börse offenbar die Sorge, dass sich Großprojekte verschieben und die hohen Erwartungen der vergangenen Quartale nicht vollständig erfüllt werden.
Parallel dazu verdichten sich Signale für künftiges Wachstum. In Kassel soll nach Angaben des Handelsblatts das größte Panzerwerk Europas entstehen, Teil des sogenannten Arminius-Projekts mit Bundeswehr-Aufträgen von fast 40 Milliarden Euro.
Beim Boxer-Radpanzer laufen bereits Aufträge über 12,4 Milliarden Euro für mehr als 1.500 Fahrzeuge, ein Rahmenvolumen von bis zu 26 Milliarden Euro für über 5.000 Boxer gilt als möglich.
Die Belegschaft in Kassel soll von aktuell 2.200 auf 3.000 Beschäftigte bis Ende 2028 wachsen. Eine Entscheidung wird für diesen Monat erwartet, die Beschlussvorlage über 25 Millionen Euro ist für den 9. Dezember terminiert.
Marineexpansion als weiterer Wachstumshebel
Auch im maritimen Bereich positioniert sich Rheinmetall neu. Das Unternehmen unter Vorstandschef Armin Papperger bietet für die German Naval Yards Kiel, die Due Diligence läuft bereits, TKMS gilt als weiterer Interessent.
Im Raum stehen die Modernisierung der F125-Fregatten sowie ein mögliches Angebot für das F126-Nachfolgeprogramm mit sechs Fregatten im Volumen von rund 12 Milliarden Euro und Lieferung ab 2031/32. Bis 2030 strebt Rheinmetall im Marinegeschäft einen Umsatz von 5 Milliarden Euro an.
Auch bei der Peene-Werft Wolgast, die nach dem F126-Aus ab Mitte 2027 eine Auftragslücke fürchtet, will der Konzern Kapazitäten für andere Marineprogramme nutzen, MEKO-Fregatten gelten als eine Option.
In den USA winkt ein Milliardenauftrag
Zusätzliches Potenzial bietet der US-Markt: Bei der Erneuerung des Bradley-Schützenpanzers geht es um ein Volumen von 45 Milliarden US-Dollar, eine Entscheidung wird jedoch erst Ende 2027 fallen.
Für Anleger bleibt damit ein Muster erkennbar, das den Kurs seit Wochen prägt: Die langfristige Auftragspipeline wächst, während kurzfristige Prognosekorrekturen und Terminverschiebungen die Stimmung belasten.
In der kommenden Woche stehen mit Auftritten bei Morgan Stanley, Jefferies, Bernstein und dem Gabelli A&D Symposium mehrere Gelegenheiten an, bei denen das Management Anlegern die Diskrepanz zwischen operativem Wachstum und Kursverlauf erklären könnte.
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