Während an der Börse vor allem über den zuletzt schwächeren Kurs diskutiert wird, treibt Rheinmetall seine Expansion unvermindert voran. Neue Kooperationen, milliardenschwere Aufträge und der Einstieg in zusätzliche Technologiefelder zeigen, dass der Rüstungskonzern sein Geschäft weit über das klassische Kerngeschäft hinaus ausbaut. Im Aktienkurs spiegelt sich diese Entwicklung derzeit allerdings kaum wider.

Die Aktie konnte sich zum Wochenschluss zwar um knapp 2 % auf rund 1.037 Euro verbessern. Damit verteidigte sie erneut die Marke von 1.000 Euro, die sich zuletzt als wichtige Unterstützung erwiesen hat. Für eine nachhaltige Trendwende reicht das bislang allerdings nicht aus. Noch immer notiert der Titel deutlich unter den Hochs der vergangenen Monate und auch viele andere Rüstungswerte haben zuletzt an Tempo an den Börsen verloren.

Die Börsen sehen das alles anders

Dabei erweitert Rheinmetall sein Geschäft derzeit an mehreren Stellen gleichzeitig. Besonders viel Gesprächsstoff begründete zuletzt das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions. Es erhielt von der Bundeswehr einen Auftrag über 1,7 Milliarden Euro, um bis 2030 exklusive SAR-Satellitendaten bereitzustellen. Gleichzeitig vereinbarte Rheinmetall mit Space Norway eine Zusammenarbeit bei der Weltraumüberwachung in der Arktis und im Nordatlantik. Hinzu kommen Pläne für eine europäische Raketenproduktion gemeinsam mit Lockheed Martin sowie Projekte zur stärkeren Automatisierung militärischer Logistik.

Warum reagiert die Börse darauf so verhalten? Viele Investoren richten ihren Blick derzeit weniger auf neue Aufträge als auf die finanziellen Folgen des rasanten Wachstums. Der Ausbau der Produktionskapazitäten verschlingt hohe Summen und wirft Fragen nach der Entwicklung des freien Cashflows auf. Gleichzeitig fehlt der Aktie nach dem Rücksetzer bislang ein neues charttechnisches Kaufsignal.

Bei Analysten fällt das Urteil dennoch deutlich optimistischer aus. Zwar wurden einzelne Kursziele zuletzt etwas gesenkt, an den überwiegend positiven Einschätzungen änderte sich jedoch wenig. Viele Experten verweisen auf den hohen Auftragsbestand, die anhaltend steigenden Verteidigungsausgaben und die wachsende technologische Breite des Konzerns. Im Durchschnitt sehen sie die Aktie weiterhin in der Nähe von 1.700 Euro. Zwischen dieser Einschätzung und der aktuellen Börsenbewertung klafft damit weiterhin eine erhebliche Lücke von annähernd 70 %. Eine Chance?