Rheinmetall hat bei einem seiner wichtigsten US-Programme einen konkreten Meilenstein erreicht: Die Tochtergesellschaft American Rheinmetall hat heute den ersten von insgesamt acht Prototypen des Kampffahrzeugs Lynx XM30 an die US-Armee übergeben.

Das Fahrzeug ist Teil des laufenden Beschaffungsprogramms, mit dem die US-Streitkräfte ihre Schützenpanzerflotte modernisieren wollen. Für Rheinmetall ist die Übergabe ein sichtbarer Beleg dafür, dass sich die US-Expansion des Konzerns von der Ankündigungs- in die Umsetzungsphase bewegt.

Parallel meldete das Unternehmen einen weiteren technischen Fortschritt: Das Luftfahrtamt der Bundeswehr hat dem Drohnensystem LUNA NG heute eine vorläufige Verkehrszulassung erteilt. Damit rückt auch dieses Programm einem Einsatz bei der Bundeswehr näher.

Operatives Momentum trifft auf Kursschwäche

Die Nachrichten aus dem operativen Geschäft fallen in eine Phase, in der die Aktie unter Druck steht. Der Titel schloss am Mittwoch bei 1.091,20 Euro und liegt damit 46 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde.

Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 30 Prozent, auf Sicht von 30 Tagen sind es gut 9 Prozent. Der RSI von 42,8 signalisiert keine überverkaufte Lage, spiegelt aber die anhaltende Schwäche wider.

Diese Kursentwicklung steht in einem gewissen Kontrast zu den Geschäftszahlen: Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um rund 69 bis 70 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro bei einer Marge von 17,1 Prozent.

Der Auftragsbestand wuchs im selben Zeitraum um 44 Prozent auf 80 bis 80,5 Milliarden Euro, von denen 70 Prozent als Fixaufträge gelten. Gleichzeitig hatte Rheinmetall Anfang August die Jahresguidance 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, nachdem das Fregattenprogramm F126 abgesagt worden war und rund 300 Millionen Euro aus der Planung fiel.

Insider kaufen trotz Kursrückgang

Bemerkenswert ist das Verhalten des Managements angesichts der Kursverluste. In den vergangenen 90 Tagen kauften Führungskräfte in 15 Transaktionen Aktien im Gesamtwert von rund 17,4 Millionen Euro, fünf Insider stockten ihre Bestände trotz eines Kursrückgangs von gut 22 Prozent auf.

Konzernchef Armin Papperger hatte bereits Ende Juni, kurz nach dem Kursrutsch infolge der F126-Absage, über seine Holding 3.188 Aktien zu rund 954,62 Euro je Stück gekauft – ein Investment von etwa 3 Millionen Euro. Solche Käufe werden von Marktbeobachtern häufig als Vertrauenssignal des Managements in die eigene Geschäftsentwicklung gewertet.

Im Blick der Anleger steht zudem das Programm Arminius zur Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr. Medienberichten zufolge sollen die finalen Verhandlungen in der zweiten Septemberwoche stattfinden, die parlamentarische Behandlung ist für den 9. Dezember terminiert.

Der Fixvertrag soll Fahrzeuge im Volumen von etwa 12,4 Milliarden Euro sowie einen Servicevertrag über 2 Milliarden Euro umfassen. Sollte das Geschäft zustande kommen, würde es den bereits prallen Auftragsbestand weiter aufblähen und dem Konzern über Jahre Planungssicherheit geben.