Von 27 Dollar auf 13,25 Euro: Rigetti Computing durchlebt gerade den harten Realitätscheck nach einer der spektakulärsten Rallyes des Quantencomputing-Sektors. Die Aktie fiel allein in den vergangenen sieben Tagen um 10,80 Prozent, auf Monatssicht steht ein Minus von 25,43 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 34,41 Prozent verloren.
Der Ausverkauf läuft geordnet, nicht panisch
Der Rückgang kam nicht plötzlich. Ende Juni notierte Rigetti noch bei rund 21 bis 22 Dollar, mit Schlusskursen von 21,28 und 21,38 Dollar. Seither zieht sich eine Kette tieferer Hochs durch den Chart: erst 22 Dollar, dann 19, dann 18 Dollar, jetzt der mittlere Zehnerbereich.
Händler beobachten aktuell, ob sich in dieser Zone eine Bodenbildung abzeichnet. Die technischen Indikatoren sprechen eine klare Sprache: Die Aktie liegt 24,69 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 17,59 Euro und 34,16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 20,12 Euro. Der RSI von 34,4 Punkten zeigt schwächelndes, aber noch nicht überverkauftes Momentum. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 84,83 Prozent verdeutlicht, wie nervös der Markt das Papier aktuell handelt.
Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch bei 50,30 Euro aus dem Oktober 2025 trennen die Aktie inzwischen 73,66 Prozent. Zum jüngsten Jahrestief von 11,00 Euro Ende März bleibt dagegen nur noch ein Polster von gut 20 Prozent.
Von der Kursrakete zum Bewertungsproblem
Die aktuelle Schwäche folgt auf einen fulminanten Lauf. Nach einer früheren Ankündigung war die Aktie um fast 70 Prozent auf gut 27 Dollar geschossen. Seither geht es überwiegend abwärts.
Die Bewertung bleibt der wunde Punkt. Über drei Jahre hat Rigetti seinen Aktionären eine Rendite von rund dem 13-Fachen beschert — eine Hausnummer, die künftige Fortschritte erst einmal rechtfertigen müssen. Der Umsatz des Unternehmens ist im Verhältnis zum Börsenwert weiterhin winzig. Das hält die Aktie fest im Story-Stock-Territorium, also im Bereich jener Titel, deren Kurs stärker von Zukunftsfantasie als von harten Zahlen getrieben wird.
Operativ schreibt Rigetti tiefrote Zahlen: Die EBIT-Marge liegt bei etwa minus 2.254 Prozent. Die Bilanz zeigt sich davon jedoch wenig beeindruckt. Mit einer Current Ratio von rund 7 und einer Quick Ratio von etwa 6,8 verfügt das Unternehmen über einen komfortablen Liquiditätspuffer. Die Verschuldung bleibt mit einem Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital von etwa 0,01 praktisch nicht vorhanden.
Staatliche Förderung als Lichtblick
Trotz der charttechnischen Schwäche bleibt Rigettis Rolle in staatlich geförderten Quantenprojekten intakt. Das Unternehmen wurde für eine mögliche Förderung von bis zu 100 Millionen Dollar ausgewählt und meldet eine Genauigkeit von 99,9 Prozent (Fidelity) auf seinem 108-Qubit-System. Die Zusage ist allerdings nicht bindend und an weitere Bedingungen geknüpft — sie basiert auf einer Absichtserklärung mit dem US-Handelsministerium über drei Jahre.
Strategisch verschiebt sich der Fokus zunehmend von reinen Hardware-Meilensteinen hin zu Infrastruktur und Vertrieb. Das 108-Qubit-System namens Cepheus-1 ist inzwischen über die eigene Cloud-Plattform sowie über Amazon Braket, Microsoft Azure Quantum und qBraid verfügbar. Das Management bezeichnet es als einen der leistungsstärksten kommerziell verfügbaren Quantencomputer weltweit auf Basis von Gate-Technologie.
Analysten uneins über den nächsten Schritt
Die Einschätzungen zur Aktie gehen deutlich auseinander. Ein Teil der Analysten verweist auf den Kursrückgang von rund 21 Prozent im vergangenen Monat und macht dafür Sorgen um Aktienverwässerung sowie die hohe Bewertung verantwortlich. Andere halten an einer Kaufempfehlung fest und erwarten ein Kurspotenzial von bis zu 80 Prozent, gestützt auf ihre Erwartung an ein starkes Umsatzwachstum.
Der mittlere Zehnerbereich bleibt damit vorerst die Kampfzone für die nächste Kursrichtung. Ob Rigetti dort eine Basis für eine Erholung findet oder die Talfahrt fortsetzt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die staatlichen Fördergelder in belastbare Umsätze übersetzen lassen.
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