Mehr Eisenerz, günstigere Kupferkosten, ein robustes Halbjahr – und trotzdem gibt die Aktie nach. Rio Tinto liefert an diesem Mittwoch operativ genau das, was der Markt sehen wollte. Die Reaktion an der Börse fällt dennoch verhalten aus.

Pilbara läuft auf Hochtouren

Aus den australischen Pilbara-Minen verschiffte der Konzern im zweiten Quartal 85,3 Millionen Tonnen Eisenerz – ein Sprung von sieben Prozent zum Vorjahr und deutlich mehr als die von Analysten erwartete Marke von rund 83,6 Millionen Tonnen. Im ersten Halbjahr summierten sich die Verkäufe auf 157,7 Millionen Tonnen, ein Plus von fünf Prozent. Konzernchef Simon Trott verwies darauf, dass Pilbara dank des laufenden Produktivitätsprogramms die höchste Ersthalbjahres-Produktion seit dem Rekordjahr 2018 erreichte.

Auch der Preis zog an: Der durchschnittliche Erlös je Tonne stieg auf 85,20 Dollar, nach 83,20 Dollar im Vorjahreszeitraum. Weltweit verkaufte Rio Tinto im zweiten Quartal 88,8 Millionen Tonnen Eisenerz, fünf Prozent mehr als vor einem Jahr.

Beim Kupfer zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Produktion sank im Quartal um sieben Prozent auf 213.000 Tonnen, auf Kupferäquivalent-Basis legte der Ausstoß im Halbjahr aber um drei Prozent zu. Rio Tinto profitiert dabei vom starken Goldpreis als Nebenprodukt der Kupferförderung. Der Hochlauf der Mine Oyu Tolgoi in der Mongolei bleibt derweil ein Lichtblick: Die Produktion kletterte im ersten Halbjahr um 31 Prozent.

Iran-Konflikt drückt auf die Kosten

Wegen der niedrigeren Kosten und höherer Goldpreise senkte Rio Tinto seine Prognose für die Kupfer-Stückkosten 2026 deutlich – von bislang 65 bis 75 US-Cent auf nun 30 bis 50 US-Cent je Pfund. Für Eisenerz rechnet der Konzern weiterhin mit Kosten zwischen 23,50 und 25,00 Dollar je Tonne im Gesamtjahr.

Belastend wirken gestiegene Treibstoffpreise infolge der militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Rio Tinto erklärte, die Lage rund um die Straße von Hormus bleibe „sehr volatil“, man beobachte die Entwicklung genau und halte Notfallpläne bereit. Bislang seien die direkten operativen Auswirkungen aber begrenzt geblieben.

An der Londoner Börse gab die Aktie im Handelsverlauf nach, nachdem erste Kursgewinne von Gewinnmitnahmen abgelöst wurden. Anleger dürften die im zweiten Halbjahr nötige Beschleunigung im Blick behalten, um die Jahresziele bei Eisenerz zu erreichen – nach einem starken ersten Halbjahr bleibt die Messlatte für die zweite Jahreshälfte hoch.