Rivian hat gestern seine Jahresprognose verbessert. Die Quartalszahlen zeigen aber auch: Das Softwaregeschäft trägt den Bruttogewinn, während das Fahrzeuggeschäft weiter Verluste schreibt und viel Geld abfließt. Anleger honorieren den verbesserten Ausblick heute mit einem vorbörslichen Kursplus von 5,0%. Für eine nachhaltige finanzielle Entspannung muss Rivian jedoch mehr erreichen als steigende Auslieferungen.

Mehr Umsatz, höhere Auslieferungsziele

Im dritten Quartal 2026 erzielte Rivian einen Umsatz von 2,155 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 38% gegenüber dem Vorjahr. Der R2 war nach Stückzahl bereits das meistverkaufte Modell des Unternehmens.

Der Modellanlauf stärkt damit die Absatzbasis. Genaue Verkaufszahlen für den R2 veröffentlichte Rivian allerdings nicht. Sein Erfolg lässt sich deshalb bislang nur anhand seiner Position innerhalb der Modellpalette beurteilen.

Insgesamt lieferte Rivian im Quartal 19.248 Fahrzeuge aus. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun 67.000–70.000 Auslieferungen statt bislang 65.000–70.000. Rivian hebt damit die Untergrenze an und behält die Obergrenze bei.

Auch bei Verlusten und Investitionen fällt der Ausblick günstiger aus. Die Anpassungen signalisieren Fortschritte, ändern aber nichts am weiterhin erheblichen Finanzierungsbedarf des Geschäfts.

Rivian prognostiziert für 2026 einen bereinigten EBITDA-Verlust von 1,75–1,85 Milliarden US-Dollar. Die Investitionen sollen 1,40–1,50 Milliarden US-Dollar betragen. Beide Zielkorridore liegen unter den bisherigen Erwartungen des Unternehmens.

Software trägt den Bruttogewinn

Der positive Bruttogewinn des Konzerns darf nicht mit einem profitablen Fahrzeuggeschäft verwechselt werden. Die beiden Bereiche entwickeln sich auf dieser Ebene weiterhin deutlich unterschiedlich. Für Anleger ist diese Trennung wichtiger als die positive Konzernzahl allein.

Das Software- und Servicegeschäft erzielte einen Umsatz von 605 Millionen US-Dollar. Sein Bruttogewinn betrug 256 Millionen US-Dollar bei einer Marge von 42%.

Technologielizenzierung an Volkswagen und Softwareerlöse stützen damit die Finanzen. Dieser Beitrag verschafft Rivian Spielraum für den Fahrzeughochlauf. Er ersetzt jedoch nicht die notwendige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit im Autogeschäft.

Dort fiel ein Bruttoverlust von 80 Millionen US-Dollar an. Konzernweit blieb ein Bruttogewinn von 176 Millionen US-Dollar. Die gesamte Bruttomarge lag bei 8% und damit unter dem Vorquartal.

Das Management erwartet, das Schlussquartal mit einem positiven Automotive-Bruttogewinn zu beenden. Diese Aussage gilt ausdrücklich nicht für das gesamte Quartal. Sie beschreibt den angestrebten Zustand zum Quartalsende und ist daher keine Zusage für einen bereits durchgehend profitablen Fahrzeugbereich.

Mittelabfluss begrenzt die Entspannung

Unter dem Strich verzeichnete Rivian einen Nettoverlust von 913 Millionen US-Dollar. Der bereinigte EBITDA-Verlust lag bei 435 Millionen US-Dollar. Zugleich flossen im freien Cashflow 1,124 Milliarden US-Dollar ab.

Damit bleibt Liquidität eine zentrale Größe für die Bewertung der Fortschritte. Umsatzwachstum und ein positiver Bruttogewinn reichen bislang nicht aus, um den laufenden Mittelverbrauch aufzufangen.

Eine mögliche zusätzliche Finanzierung ist an technische Fortschritte gebunden. Laut Reuters erwartet Rivian-CEO RJ Scaringe, noch in diesem Jahr einen Autonomie-Meilenstein zu erreichen. Dieser würde eine Investitionstranche von Uber über 250 Millionen US-Dollar auslösen. Der Zufluss ist somit eine Erwartung und kein bereits gesicherter Zahlungseingang.

Die verbesserte Prognose liefert Anlegern einen konkreten Fortschritt. Entscheidend für die weitere finanzielle Entlastung bleiben jedoch eine bessere Wirtschaftlichkeit des Fahrzeuggeschäfts und ein sinkender Mittelabfluss. Der starke Softwarebeitrag überbrückt diese Lücke bislang nur teilweise.