Roche liefert dieser Tage gleich an zwei Fronten positive Nachrichten. Während die FDA heute Priority Review für den Krebswirkstoff Tecentriq gewährt hat, arbeitet der Konzern parallel dazu mit wachsendem Selbstbewusstsein an seiner Adipositas-Pipeline.

Tecentriq: FDA-Entscheid bis Oktober

Die US-Arzneimittelbehörde hat die Zulassungsantragseinreichung für Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie bei bestimmten Darmkrebspatienten nach einer Operation akzeptiert und als prioritär eingestuft. Ein Zulassungsentscheid wird bis zum 9. Oktober 2026 erwartet.

Grundlage ist die Phase-III-Studie ATOMIC. Sie zeigte, dass Tecentriq plus FOLFOX6-Chemotherapie das Rückfall- oder Sterberisiko bei Patienten mit Stadium-III-Dickdarmkrebs mit spezifischem Mutationsprofil (dMMR/MSI-H) um 50 Prozent senkte. Das krankheitsfreie Überleben nach 36 Monaten lag bei 86 Prozent — gegenüber 76 Prozent in der reinen Chemotherapiegruppe. Rund ein Drittel aller Patienten mit Stadium-III-Darmkrebs erleidet derzeit innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall, was den medizinischen Bedarf verdeutlicht. Roche verfolgt neben dem FDA-Verfahren auch eine Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA.

Adipositas: Enicepatid geht in Phase 3

Auf dem wettbewerbsintensiven Markt für Abnehmmedikamente — dominiert von Eli Lilly und Novo Nordisk — drängt Roche mit zunehmender Überzeugung nach vorne. Zwei Phase-3-Studien für den Kandidaten Enicepatid sind angelaufen, nachdem Daten aus einer früheren Studie nach 48 Wochen einen Gewichtsverlust von bis zu 22,7 Prozent ohne erkennbares Plateau gezeigt hatten.

Roches Entwicklungsleiter Manu Chakravarthy rechnet damit, dass sich dieser Wert in längeren Beobachtungszeiträumen von bis zu 80 Wochen noch weiter verbessern wird. Indes planen Roche und Partner Zealand Pharma, das Amylin-Analogon Petrelintid noch im zweiten Halbjahr 2026 in Phase-3-Studien zu überführen. Petrelintid zeigte in einer mittleren Studie einen Gewichtsverlust von bis zu 10,7 Prozent bei einer Verträglichkeit auf Placeboniveau.

Jefferies-Analysten betonen das Potenzial von Petrelintid, stellen aber die Positionierung von Enicepatid als eigenständige Therapie infrage — als später Marktteilnehmer braucht Roche eine klar erkennbare Differenzierung gegenüber GLP-1-Platzhirschen. Für die Kombinationsstudie beider Wirkstoffe ist ein Start in einer mittleren Phase geplant. Gegen Jahresende will Roche zudem entscheiden, ob der orale Kandidat CT-996 in die Spätphase einzieht.