Ein Konverter für 750 Millionen Euro. Ein Unternehmen, das an der Börse gerade einmal knapp 50 Millionen Euro wert ist. Diese Lücke treibt Rock Tech Lithium nun zu einem drastischen Schritt: Die Aktionäre haben Ende Juli 2026 einer Kapitalmaßnahme zugestimmt, die den Aktienkurs künstlich anheben soll.

Konkret genehmigten die Anteilseigner eine Sonderresolution für einen Reverse Split im Verhältnis von bis zu 1:15. Das Management verfolgt damit ein klares Ziel: Institutionelle Investoren meiden oft sogenannte Penny Stocks. Ein höherer Nominalwert je Aktie soll diese Hürde aus dem Weg räumen und den Boden für ein mögliches Nasdaq-Listing bereiten.

Finanzierungslücke in Guben bleibt ungelöst

Der eigentliche Auslöser für den Kursdruck der vergangenen Wochen liegt in Brandenburg. Der geplante Lithium-Konverter in Guben braucht schätzungsweise 750 Millionen Euro an Investitionen. Diese Summe übersteigt die aktuelle Marktkapitalisierung von Rock Tech Lithium von rund 49,3 Millionen Euro um ein Vielfaches.

Aus Berlin kommen dabei keine guten Nachrichten. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bestimmte Förderanträge im Rahmen des Temporary Crisis and Transition Framework wegen Budgetrestriktionen abgelehnt. Das Projekt behält zwar seinen Status als „Strategisches Projekt“ nach dem EU Critical Raw Materials Act – das eröffnet theoretisch Zugang zu einem europäischen Fördertopf von zwei Milliarden Euro. Ohne unmittelbare Bundesgarantien wächst aber die Abhängigkeit von Brandenburg und privaten Kapitalpartnern.

Kurswechsel Richtung Kanada

Während sich die Lage in Deutschland hinzieht, verlagert Rock Tech Lithium den strategischen Schwerpunkt. Das Unternehmen treibt das Georgia-Lake-Spodumen-Projekt in Ontario voran, um eine eigene Rohstoffversorgung zu sichern. Georgia Lake soll künftig rund 40 Prozent des Rohmaterials für den geplanten Red-Rock-Konverter in Kanada liefern.

Diese integrierte Lieferkette über den Atlantik bekommt gerade technische Unterstützung. Mitte Juli 2026 erhielt das Unternehmen einen Zuschuss von 262.500 kanadischen Dollar aus dem Critical Minerals Innovation Fund der Provinz Ontario. Das Geld fließt in die Erforschung von Rohtallöl bei der Lithiumverarbeitung – ein Ansatz, der Betriebskosten senken und die Umweltbilanz verbessern soll.

Charttechnik zeigt überverkauften Zustand

Die Aktie notiert aktuell bei 0,4270 Euro und damit 45,67 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,7860 Euro aus dem Januar. Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,7 und damit knapp unter der Schwelle von 30, ab der Chartanalysten typischerweise von einem überverkauften Markt sprechen. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 0,5171 Euro beträgt der Abstand 17,42 Prozent.

Die entscheidende Frage für Investoren: Reichen der geplante Reverse Split und ein mögliches Nasdaq-Listing aus, um genug Liquidität für die Finanzierungslücke in Guben zu mobilisieren? Die finale Investitionsentscheidung für den Standort Guben wurde dem Stadtrat kürzlich als weiterhin ausstehend präsentiert. Sie bleibt der zentrale Katalysator für eine mögliche Trendwende in der zweiten Jahreshälfte 2026.