Vier Insider verkaufen Aktien im Wert von 18,4 Millionen Dollar. Kurz darauf explodiert eine Blue Origin-Rakete. Und SpaceX steht kurz vor dem größten Börsengang der Geschichte. Rocket Lab trifft gerade alles auf einmal.

Am Montag fiel die Aktie um 14,7 Prozent auf 122,39 Dollar — der dritte Verlusttag in Folge. Vom 52-Wochen-Hoch bei 150,23 Dollar ist das Papier inzwischen mehr als 17 Prozent entfernt. Dabei hatte Rocket Lab noch vor wenigen Wochen eine beeindruckende Rallye hinter sich: Seit Jahresbeginn liegt das Plus trotz des Rückschlags bei rund 64 Prozent.

Insider-Verkäufe kurz vor dem Einbruch

Besonders auffällig: Mehrere Führungskräfte trennten sich Ende Mai von größeren Aktienpaketen — kurz bevor der Kurs einbrach.

COO Frank Klein verkaufte 36.860 Aktien über einen vorab festgelegten Handelsplan und erlöste rund 5,4 Millionen Dollar. General Counsel Arjun Kampani trennte sich von knapp 24.000 Aktien für etwa 3,5 Millionen Dollar. Direktor Alexander Slusky veräußerte 60.000 Aktien indirekt über eine Familiengesellschaft für fast 9 Millionen Dollar. Präsident Marvin Clevenger verkaufte weitere 3.500 Aktien für gut 513.000 Dollar.

Alle vier Transaktionen zusammen: rund 124.000 Aktien, 18,4 Millionen Dollar. Die Verkäufe von Klein und Kampani liefen über Rule-10b5-1-Pläne, die beide im September 2025 aufgesetzt wurden — solche Pläne gelten als vorab geplant und schließen Insiderwissen zum Verkaufszeitpunkt formal aus. Trotzdem verstärkt das Timing die Nervosität der Anleger.

Branchenerschütterung und SpaceX-Effekt

Am vergangenen Freitag explodierte eine Blue Origin New Glenn-Rakete beim Triebwerkstest in Florida. Der Vorfall erzeugte Erschütterungen, die einem Erdbeben der Stärke 2,5 entsprachen. Der Startturm und die Infrastruktur von Launch Complex-36 wurden schwer beschädigt. Kein Wunder, dass Investoren seither den gesamten Sektor neu bewerten.

Hinzu kommt der erwartete SpaceX-Börsengang, der für den 12. Juni angepeilt wird. Eine Bewertung von mindestens 1,8 Billionen Dollar steht im Raum. Das zwingt Anleger, die Preise kleinerer Raumfahrtunternehmen kritisch zu hinterfragen — Rocket Lab eingeschlossen.

Starke Verträge, aber ambitionierte Bewertung

Operativ läuft es bei Rocket Lab gut. Das Unternehmen übernahm kürzlich Motiv Space Systems, das nun als Rocket Lab Robotics firmiert. Die Einheit lieferte bereits Systeme für den NASA-Rover Perseverance. Außerdem bestand Rocket Lab den System Requirements Review für ein Satellitenprogramm der Space Development Agency. Zusammen mit einem früheren Auftrag summieren sich die SDA-Verträge auf über 1,3 Milliarden Dollar.

Der Quartalsumsatz lag zuletzt bei 200,35 Millionen Dollar und übertraf die Erwartungen. Analysten vergeben im Schnitt ein „Moderate Buy“-Rating — das durchschnittliche Kursziel liegt allerdings bei 97,19 Dollar. Das entspricht einem deutlichen Abschlag zum aktuellen Kurs von rund 124 Dollar. Die Bewertung nach der Jahresrallye von fast 370 Prozent gilt vielen als sportlich.