Nach einem Rekordkurs von 151,00 Dollar am 27. Mai folgte der Absturz — innerhalb einer Woche verlor die Rocket Lab Aktie mehr als 22 Prozent. Was wie ein normaler Rücksetzer nach einer Kursrallye von über 326 Prozent in zwölf Monaten aussieht, hat mehrere konkrete Auslöser.
Insider-Verkäufe treffen auf Blue-Origin-Schock
Den Anfang machten vier Unternehmensinsider, die nahe dem Allzeithoch gemeinsam Aktien im Wert von 18,4 Millionen Dollar verkauften. Der Kurs brach daraufhin an einem einzigen Handelstag um rund 12 Prozent ein — der schärfste Tagesrückgang seit über zwei Jahren.
Den nächsten Schlag lieferte Blue Origin. Am 28. Mai zerstörte das Unternehmen beim Vortestlauf einen neuen Erststreckentriebwerk-Booster am Cape Canaveral — der zweite schwere Rückschlag innerhalb von sechs Wochen. Die Explosion erzeugte Erschütterungen, die einem Erdbeben der Stärke 2,5 entsprachen, und schickte die gesamte Raumfahrtbranche auf Talfahrt. Redwire, Rocket Lab und Intuitive Machines verloren allesamt zweistellig.
Dabei ist die Lage für Rocket Lab fundamental widersprüchlich. Im ersten Quartal 2026 übertraf das Unternehmen die Erwartungen: Umsatz von 200,4 Millionen Dollar, ein Wachstum von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ein Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar auf Rekordniveau. Eine anhaltende Grounding von New Glenn könnte Rocket Lab sogar Aufträge im mittleren Nutzlastsegment zuspülen — das Unternehmen bereitet dort den Erstflug seiner Neutron-Rakete vor.
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Institutionelle Investoren laufen auseinander
Die Turbulenzen haben unter großen Investoren gegensätzliche Reaktionen ausgelöst. Im jüngsten Quartal erhöhten 541 institutionelle Anleger ihre Positionen, während 363 reduzierten.
Die Kontraste auf Einzelfondsebene sind extrem: Capital World Investors stieß knapp 9 Millionen Aktien ab — ein Rückgang um 55 Prozent, entsprechend rund 575 Millionen Dollar. Capital International Investors eröffnete im selben Quartal eine neue Position mit 6,7 Millionen Aktien. BlackRock stockte um knapp 5 Millionen Aktien auf, ein Plus von 14,8 Prozent.
Verteidigungsaufträge als Fundament
Was institutionelle Käufer anzieht, ist die Transformation des Unternehmens: Rocket Lab hat sich vom reinen Raketenstarter zum vertikal integrierten Rüstungskonzern mit direkten Regierungsverträgen entwickelt. Die Tracking-Layer-Tranche-3-Konstellation der Space Development Agency basiert auf Rocket Labs Lightning-Satellitenplattform und soll Raketenwarnung und Hyperschallabwehr ermöglichen. Die damit verbundenen Vertragsvolumina summieren sich auf über 1,3 Milliarden Dollar.
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Hinzu kommt die Übernahme von Motiv Space Systems, nun unter dem Namen Rocket Lab Robotics, dessen Technologie bereits im NASA-Mars-Rover Perseverance und im CADRE-Mondprogramm eingesetzt wurde.
Bewertung bleibt heikel
Der Kurs liegt mit rund 115 Dollar noch immer rund 60 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt — trotz des jüngsten Einbruchs. Das Unternehmen schreibt weiterhin Verluste und verbrennt Kapital, während die Umsätze stark wachsen und Analysten das Gewinnwachstum auf rund 60 Prozent jährlich schätzen.
Das Ergebnis ist eine Aktie, die fundamental überzeugt, aber technisch nach einer 366-Prozent-Rally in einem Jahr kaum Spielraum für Enttäuschungen lässt. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Verteidigungsaufträge die Bewertung tragen können — oder ob der Markt eine weitere Korrektur einpreist, bevor Neutron überhaupt abhebt.
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