Fast 300 Prozent Kursplus in zwölf Monaten wecken Begehrlichkeiten. Bei Rocket Lab klaffen nun aber Realität und Bewertung spürbar auseinander. Nach dem jüngsten Rekordhoch nehmen Insider im großen Stil Gewinne mit. Der Optionsmarkt sendet derweil klare Warnsignale.

Ein Zwischenfall mit einem US-Militärhubschrauber über der Straße von Hormus sorgte am Dienstag für Nervosität. Industrie- und Raumfahrtwerte gerieten branchenweit unter Druck. Die Papiere von Rocket Lab schlossen bei 108,23 US-Dollar. Damit notiert der Titel spürbar unter seinem Rekordhoch von 151,00 US-Dollar.

Optionshändler sichern sich ab

Marktdaten zeigen einen klaren Stimmungsumschwung. Das Put-Call-Verhältnis kletterte zuletzt auf 0,69. Normalerweise liegt dieser Wert bei 0,52. Anleger sichern sich zunehmend gegen weitere Kursverluste ab.

Die implizite Volatilität erreichte den höchsten Stand des vergangenen Jahres. Der Markt rechnet mit massiven Kursschwankungen. Leerverkäufer mischen ebenfalls kräftig mit. Ende Mai hielten sie knapp 32 Millionen Aktien leer. Das entspricht etwa sechs Prozent des frei handelbaren Streubesitzes.

Insider machen Kasse

Die Führungsetage nutzt die hohen Kurse. In den vergangenen 90 Tagen verkauften Insider Aktien im Wert von rund 67 Millionen US-Dollar. Besonders auffällig: Der Finanzchef und ein Vizepräsident trennten sich nahe dem Rekordhoch von ihren Anteilen.

Operativ wächst das Raumfahrtunternehmen rasant. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um über 63 Prozent auf rund 200 Millionen US-Dollar. Ein Gewinn bleibt jedoch aus. Unter dem Strich stand ein Verlust von 0,07 US-Dollar je Aktie.

Die Folge: Analysten betrachten die aktuelle Bewertung skeptisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 99 US-Dollar. Damit erwarten die Experten einen weiteren Rücksetzer unter das aktuelle Kursniveau. Am 5. August präsentiert Rocket Lab die Zahlen für das zweite Quartal. Spätestens dann muss das Management die hohe Bewertung mit neuen Aufträgen rechtfertigen.