Rocket Lab verliert seit dem Allzeithoch Ende Mai rund 31 Prozent — und SEC-Meldungen über millionenschwere Insider-Verkäufe heizen die Nervosität weiter an. Wer genauer hinschaut, erkennt ein differenzierteres Bild.

Was der jüngste SEC-Filing zeigt

General Counsel Arjun Kampani verkaufte am 18. Juni 88.000 Aktien zu durchschnittlich 107,98 Dollar. Das entspricht einem Erlös von rund 9,5 Millionen Dollar. Kampani hält danach noch 264.705 Aktien — ein Restpaket im Wert von etwa 28,6 Millionen Dollar. Ob der Verkauf diskretionär war oder über einen vorab festgelegten Handelsplan lief, ist bislang nicht bestätigt.

Kampanias frühere Verkäufe im Mai waren dagegen klar strukturiert: automatische Steuereinbehalte auf vestende Restricted Stock Units, abgewickelt über einen Rule-10b5-1-Plan. Solche Transaktionen sagen nichts über die persönliche Marktmeinung des Managers aus. CFO Adam Spice und COO Frank Klein folgten demselben Muster — auch ihre Mai-Verkäufe liefen über vorab festgelegte Steuerpläne.

130 Verkäufe, null Käufe

Das Gesamtbild ist trotzdem auffällig. In den vergangenen sechs Monaten führten Insider 130 Transaktionen durch — ausnahmslos Verkäufe. CFO Spice trennte sich in 18 Transaktionen von insgesamt 1,49 Millionen Aktien für geschätzte 116 Millionen Dollar. CEO Peter Beck verkaufte in fünf Transaktionen rund 18.900 Aktien für etwa 1,3 Millionen Dollar. Kein einziger Insider kaufte Aktien am freien Markt.

Das ist bemerkenswert — auch wenn der Großteil der Verkäufe auf RSU-Vesting-Zyklen zurückgeht und nicht auf aktive Portfolio-Entscheidungen.

Gegengewichte: Nasdaq-100 und starke Fundamentaldaten

Ab dem 22. Juni ist Rocket Lab im Nasdaq-100 gelistet. Das löst automatische Käufe durch Indexfonds und ETFs aus — ein struktureller Nachfrageschub, der den Verkaufsdruck kurzfristig abfedern könnte.

Die Fundamentaldaten liefern weiteren Rückhalt. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 63,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand stieg auf 2,2 Milliarden Dollar — ein Plus von 108 Prozent. Das Startmanifest umfasst mehr als 70 kontraktierte Missionen. KeyBanc stufte die Aktie zuletzt auf „Overweight“ hoch und verwies auf die Nachfrage nach Satellitenkonstellation und steigende Verteidigungsausgaben im Weltraumbereich.

Bewertung bleibt das zentrale Risiko

Trotz des Rücksetzers notiert die Aktie mit 92,10 Euro noch 43 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. In den vergangenen zwölf Monaten legte sie rund 266 Prozent zu — eine Bewertung, die wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 92 Prozent. Institutionelle Investoren halten 71,78 Prozent der Aktien, darunter Vanguard mit 47,4 Millionen Anteilen und Baillie Gifford mit 17,9 Millionen.

Die Nasdaq-100-Aufnahme am Sonntag wird zeigen, ob der passive Kaufdruck ausreicht, um die Stimmung zu drehen — oder ob die Bewertungsdiskussion die Oberhand behält.