Rocket Lab stellt einen neuen Weltrekord auf. Das Unternehmen lieferte eine Mission für die U.S. Space Force in nie dagewesener Geschwindigkeit ab. An der Börse verpufft dieser Erfolg völlig. Die Aktie stürzt ab.

Neuer Standard im All

Für die Mission VICTUS HAZE brauchte Rocket Lab genau 16 Stunden und 42 Minuten. Diese Zeit verging zwischen dem Startbefehl der U.S. Space Force und dem Abheben in Neuseeland. Damit unterbot der Konzern den alten Rekord von Firefly Aerospace um mehr als zehn Stunden.

Zum ersten Mal lieferte ein einziger Hauptauftragnehmer das komplette Paket. Rocket Lab baute die Pioneer-Raumsonde selbst. Das System war nach knapp 38 Stunden im Orbit voll einsatzbereit. Damit schlug das Unternehmen das vorgegebene Zeitfenster von 72 Stunden deutlich.

SpaceX-Börsengang drückt die Stimmung

Trotz der operativen Stärke befindet sich das Papier im freien Fall. Aktuell notiert die Aktie bei 77,60 Euro. Das entspricht einem Abschlag von 42 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus dem Mai. Allein im vergangenen Monat verlor der Titel rund 37 Prozent an Wert.

Ein Hauptgrund ist der Börsengang von SpaceX. Zuvor besaß Rocket Lab eine Seltenheitsprämie für Raumfahrt-Investoren. Die Folge: Beide Unternehmen konkurrieren jetzt direkt um das Kapital der Anleger.

Erschwerend kommen massive Insiderverkäufe hinzu. In den vergangenen drei Monaten stieß das Management Papiere im Wert von rund 24 Millionen US-Dollar ab. Chefjustiziar Arjun Kampani verkaufte Mitte Juni allein Aktien für 9,5 Millionen Dollar.

Teure Bewertung, neue Ziele

Auch die fundamentale Bewertung sorgt für Skepsis. Rocket Lab wird mit dem 45-fachen des Umsatzes gehandelt. Das erwartete Wachstum liegt bei 41 Prozent. Damit wächst das Unternehmen langsamer als SpaceX, ist aber teurer bewertet.

Ein laufendes Aktienverkaufsprogramm über drei Milliarden Dollar verwässert parallel dazu die Anteile. Michael Leshock sieht darin eine Übertreibung. Der Analyst von KeyBanc Capital Markets stufte die Aktie kürzlich auf „Kaufen“ hoch. Er rief ein Kursziel von 135 Dollar aus und sieht eine günstige Einstiegschance.

Operativ läuft das Geschäft derweil auf Hochtouren. Der Umsatz stieg im ersten Quartal auf rund 200 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand verdoppelte sich auf den Rekordwert von 2,2 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal peilt das Management bis zu 240 Millionen Dollar an.

Der nächste große Katalysator steht bereits fest. Rocket Lab hat die Startgenehmigungen für die neue Neutron-Rakete bei der US-Luftfahrtbehörde beantragt. Das Startfenster öffnet sich am 1. Juli 2026. Ein erfolgreicher Erstflug könnte das Vertrauen der Investoren zurückbringen.