Nach Rekordständen im Frühjahr ist der Titel binnen 30 Tagen um 37,28 Prozent eingebrochen, wie aktuelle Marktdaten zeigen. Der Relative-Stärke-Index von 29,5 signalisiert eine überverkaufte Aktie – ein Niveau, das Anleger üblicherweise als Warnsignal für starke Verkaufsdynamik lesen, aber auch als möglichen Wendepunkt interpretieren können. Aktuell notiert das Papier bei 58,20 Euro.
Der Ausverkauf trifft ein Unternehmen, das operativ zuletzt durchaus liefern konnte. Im ersten Quartal erzielte Rocket Lab einen Umsatz von rund 200 Millionen US-Dollar, ein Plus von etwa 64 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und über der Analystenerwartung von 189,65 Millionen US-Dollar. Die GAAP-Bruttomarge lag bei 38 Prozent, der Auftragsbestand bei 2,2 Milliarden US-Dollar, gespeist unter anderem durch 31 neue Verträge. Das Unternehmen wurde zudem für das Space-Based-Interceptor-Programm im Rahmen des Golden-Dome-Vorhabens gemeinsam mit Raytheon ausgewählt.
Stimmungsumschwung bei Privatanlegern
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Sentiment der Privatanleger. Auf Reddit war die Stimmung rund um die geplante Übernahme von Iridium noch auf einen Wert von 85 geklettert – Mitte Juli fiel dieser Indikator auf lediglich 18 bis 24 Punkte. Die Übernahme von Iridium, mit der Rocket Lab vom reinen Zulieferer zum Betreiber mit wiederkehrenden Erlösen aufsteigen würde, ist mit einem Unternehmenswert von rund 8 Milliarden US-Dollar und einem Preis von 54 US-Dollar je Aktie veranschlagt. Parallel dazu verzögert sich ein weiterer wichtiger Meilenstein: Der Erstflug der neuen Trägerrakete Neutron wurde auf das vierte Quartal 2026 verschoben – ein Aufschub, der Anleger zusätzlich verunsichert haben dürfte.
Für Verunsicherung sorgten in den vergangenen Wochen auch Insider-Transaktionen. Vorstandschef Peter Beck verkaufte zwischen dem 6. und 8. Juli Aktien zu Kursen zwischen 82 und 102 US-Dollar. Diese Transaktionen erfolgten jedoch automatisiert im Rahmen eines Rule-10b5-1-Handelsplans, den Beck bereits am 27. März 2026 eingerichtet hatte – die Verkäufe waren damit vorab festgelegt und nicht das Ergebnis einer spontanen Entscheidung während der jüngsten Kursschwäche. Insgesamt veräußerten Insider in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von 362,8 Millionen US-Dollar, darunter auch Direktor Alexander Slusky mit 40.000 Aktien zu 123,60 US-Dollar am 2. Juni sowie Marvin Clevenger mit 3.500 Aktien zu 146,67 US-Dollar am 28. Mai.
Institutionelle bauen Positionen aus, Analysten uneinig
Trotz der Kursschwäche bleiben institutionelle Investoren engagiert. Fifth Third Bancorp stockte seine Position im ersten Quartal um 3.918,5 Prozent auf 55.214 Aktien auf, World Equity Group kaufte 7.624 Aktien im Wert von rund 490.000 US-Dollar hinzu. Insgesamt liegt der institutionelle Anteil an Rocket Lab bei 71,78 Prozent.
Die Analystenlandschaft zeigt sich gespalten. Stifel sieht ein Kursziel von 132 US-Dollar, TD Cowen und Deutsche Bank jeweils 120 US-Dollar, Bank of America 115 US-Dollar. Auf der vorsichtigeren Seite stehen Piper Sandler mit einem neutralen Rating und einem Kursziel von 83 US-Dollar sowie Wells Fargo mit einer Einstufung „Equal Weight“ bei 60 US-Dollar. Der Konsens lautet auf „Moderate Buy“ bei einem durchschnittlichen Kursziel von 110,18 US-Dollar.
Im Vergleich zur Konkurrenz gilt Rocket Lab mit einer Bewertung von rund dem 31-Fachen des für 2027 erwarteten Umsatzes als moderater bepreist als etwa AST SpaceMobile, das mit dem 42-Fachen gehandelt wird. Während Rocket Lab bereits einen Auftragsbestand von mehr als 2 Milliarden US-Dollar vorweisen kann, bleibt der Wettbewerber mit gut 1 Milliarde US-Dollar an kontrahierten Verpflichtungen weiter hinter der eigenen Größenordnung zurück. Für Anleger bleibt die Kombination aus operativem Wachstum, ausstehender Iridium-Transaktion und dem verschobenen Neutron-Start der zentrale Spannungsbogen der kommenden Monate.
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