Rocket Lab hat in der Nacht auf Donnerstag eine HASTE-Mission vom NASA-Startplatz Wallops gestartet. Der modifizierte Electron-Träger dient der hypersonischen Forschung — ein Bereich, der für staatliche Auftraggeber zunehmend strategische Bedeutung hat. Die Aktie legte heute um gut sechs Prozent auf 96,30 Euro zu.

SpaceX lenkt ab — Rocket Lab profitiert?

Finanzvorstand Adam Spice sieht für das künftige Neutron-Raketenprogramm eine wachsende Marktlücke. Seine These: SpaceX konzentriert sich immer stärker auf Starlink, Starship und mögliche Rechenzentren im Orbit. Das kommerzielle Startgeschäft rückt für den Marktführer damit in den Hintergrund. Für Neutron entstehe dadurch ein „sehr guter Platz“, sobald das Programm skaliert.

Nach einem Testfehlschlag im Februar hält Rocket Lab am Ziel fest: Neutron soll noch in diesem Jahr erstmals starten. Die Produktion läuft bereits an, mit einer geplanten Jahreskapazität von bis zu vier Raketen. Jeder Booster soll bis zu 20 Mal fliegen. Eine Flotte von sechs Boostern könnte theoretisch fast 100 Starts pro Jahr ermöglichen.

Starke Zahlen, aber noch weit vom Hoch

Das erste Quartal lieferte solide Rückendeckung. Rocket Lab erzielte einen Umsatz von 200 Millionen Dollar — 63,5 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich über den Analystenerwartungen von rund 190 Millionen Dollar. Der Auftragsbestand überstieg zuletzt 2,2 Milliarden Dollar.

Der Kursanstieg von heute passt zur längerfristigen Entwicklung: Auf Jahressicht hat die Aktie ihren Wert vervierfacht. Allerdings liegt der aktuelle Kurs noch rund 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das Ende Mai markiert wurde. Die kurzfristige Schwäche — minus sieben Prozent in den vergangenen sieben Tagen — zeigt, wie volatil das Papier bleibt.

Entscheidend für die nächste Kursstufe wird der Neutron-Erststart sein. Gelingt er noch 2026, dürfte das die Bewertungsdiskussion neu entfachen.