Rocket Lab sorgt einen Tag vor der Vorlage der Quartalszahlen für Bewegung an der Börse. Die Aktie springt am heutigen Freitag um 6,98 Prozent auf 70,50 Euro und setzt damit die Erholung der vergangenen Woche fort, in der das Papier bereits um 25 Prozent zulegte. Auslöser sind mehrere neue Aufträge der US Space Force sowie ein weiterer erfolgreicher Raketenstart, die das Unternehmen kurz vor seinem Zahlenwerk am 10. August präsentiert.
Millionenaufträge vom Militär
Im Zentrum steht ein Vertrag über 397 Millionen Dollar, den die Space Force am 4. August für das SB-AMTI-Programm vergab. Rocket Lab soll dabei eine sogenannte Flatellite-Konstellation entwickeln, starten und betreiben, die der Verfolgung von Luft- und Raketenzielen aus dem Weltraum dient. Insgesamt schüttete die Space Force im Rahmen dieses Programms 615 Millionen Dollar aus, den größten Anteil sicherte sich allerdings SpaceX mit 4,16 Milliarden Dollar für die Basiskonstellation.
Hinzu kommt ein bereits Ende Juli vergebener Auftrag über 266 Millionen Dollar für suborbitale Starts vom Pacific Spaceport Complex auf Kodiak Island in Alaska. Rocket Lab nutzt dafür die HASTE-Plattform, eine suborbitale Variante der Electron-Rakete, und unterstützt damit die Golden-Dome-Initiative zur Raketenabwehr. Beide Verträge zusammen summieren sich auf rund 663 Millionen Dollar an neuen Space-Force-Geschäften binnen weniger Tage. Ergänzend erhielt das Unternehmen einen ersten Auftrag über 90 Millionen Dollar zum Bau zweier geostationärer Satelliten mit einer Heimdall-Nutzlast zur Raumlageüberwachung – der erste GEO-Satellitenauftrag in der Firmengeschichte, aufgebaut auf der Lightning-Bus-Plattform.
Parallel zu den Militärverträgen lief am Donnerstag die 92. Electron-Mission, die 13. des laufenden Jahres. Von der Startbasis Mahia in Neuseeland aus brachte Rocket Lab einen QPS-SAR-Satelliten für den japanischen Kunden iQPS ins All – bereits der achte erfolgreiche Start für dessen Erdbeobachtungskonstellation. Zehn weitere Missionen für iQPS sind bis 2030 bereits gebucht.
Blick auf die Zahlen vom 10. August
Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz von rund 231,6 Millionen Dollar, ein Plus von gut 60 Prozent gegenüber den 144,5 Millionen Dollar im Vorjahr. Der Nettoverlust pro Aktie soll sich auf wenige Cent verringern, nachdem im Vorjahresquartal noch 0,13 Dollar Verlust pro Aktie anfielen. Die Bruttomarge dürfte mit 33 bis 35 Prozent etwas unter dem ersten Quartal liegen, in dem Rocket Lab noch 38,2 Prozent erreichte. Der Auftragsbestand liegt bei rund 2,2 Milliarden Dollar. CEO Peter Beck sprach bereits von einer „record financial performance of more than $200 million in revenue“ für das abgelaufene Quartal.
Optionshändler kalkulieren an den US-Börsen mit einem Kursausschlag von bis zu 14,64 Prozent rund um den Zahlentermin – die vergangenen vier Quartalsberichte bewegten den Kurs im Schnitt um gut zehn Prozent, in Extremfällen bis zu 34 Prozent.
Analysten mit deutlichem Aufwärtspotenzial
Trevor Walsh von Citizens bewertet die Aktie mit Kaufen und einem Kursziel von 130 Dollar. Der Analystenkonsens fällt mit 14 Kauf- und 4 Halten-Einstufungen insgesamt als „Strong Buy“ aus, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 111,13 Dollar. Der 50-Tage-Durchschnitt der Aktie notiert bei 77,43 Euro, der aktuelle Kurs liegt damit spürbar darunter – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Rally erst begonnen hat, den zuvor entstandenen Rückstand aufzuholen. Ob die anstehenden Zahlen die hohen Erwartungen an Wachstum und Margen bestätigen, entscheidet sich kommenden Montag.
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