Rocket Lab steckt mitten in einem der heftigsten Kursrutsche der jüngeren Firmengeschichte – und feiert zugleich einen wichtigen technischen Meilenstein für die neue Trägerrakete Neutron. Am Freitag schloss die Aktie bei 59,20 Euro, ein moderates Plus von 0,17 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt aber das eigentliche Bild: Innerhalb von 30 Tagen verlor das Papier 36,95 Prozent an Wert. Der 14-Tage-RSI von 29,9 signalisiert eine überverkaufte Aktie.

Sektor-Beben zieht Rocket Lab mit nach unten

Ausgelöst wurde der breite Ausverkauf der Raumfahrtbranche durch mehrere Schocks binnen weniger Wochen: eine Explosion bei Blue Origin Ende Mai, der Börsengang von SpaceX am 12. Juni und schließlich ein abgebrochener Starship-Testflug Mitte Juli, bei dem zwei Raptor-Triebwerke nicht zündeten und ausgetauscht werden mussten. SpaceX-Aktien fielen daraufhin unter den Ausgabepreis von 135 US-Dollar, verloren zeitweise mehr als eine Billion Dollar an Marktwert und rissen den gesamten Sektor mit. Nach Berechnungen von 24/7 Wall St. gaben Weltraumtitel binnen eines Monats zweistellig nach – Rocket Lab gehörte mit einem Minus von 36 Prozent im Monatsvergleich zu den am stärksten betroffenen Werten, neben AST SpaceMobile und SpaceX selbst.

Neutron nimmt Fahrt auf

Inmitten des Kursdrucks lieferte Rocket Lab am 17. Juli einen konkreten operativen Fortschritt: Das Unternehmen schloss einen vollständigen Hot-Fire-Test des vakuumoptimierten AVac-Triebwerks für die geplante Neutron-Rakete ab – ein zentraler Schritt vor dem Erstflug des wiederverwendbaren Mittelklasse-Trägers. Ergänzend hatte zuvor bereits das Haupttriebwerk Archimedes seinen Qualifikationstest mit einem Schub von 1,5 Millionen Pfund bestanden. Firmenchef Peter Beck betont dabei ausdrücklich, dass technische Reife vor festen Terminen Vorrang habe. Mehrere Quellen datieren das Debüt von Neutron auf das vierte Quartal 2026, nachdem es zuvor bereits Verzögerungen und einen Tank-Zwischenfall gegeben hatte.

Analysten uneins über die Bewertung

Die Meinungen zur Aktie gehen weit auseinander. Piper Sandler nahm die Coverage am 17. Juli mit einem neutralen Rating und einem Kursziel von 83 US-Dollar auf. Der zuständige Analyst bezeichnet Rocket Lab als die stärkste börsennotierte Alternative zu SpaceX und verweist auf die vertikale Integration des Konzerns, rund 90 durchgeführte Electron-Starts und die Fortschritte bei Neutron – sieht die langfristig positive Einschätzung im aktuellen Kurs aber bereits eingepreist. Andere Analysten sind optimistischer: Der Analystenkonsens liegt laut 24/7 Wall St. bei 116,57 US-Dollar, was einem Aufschlag von rund 73 Prozent entspräche. Gleichzeitig zeigen Wettmärkte laut derselben Quelle eine Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent, dass die Aktie im Juli auf 64 US-Dollar fällt – wobei solche Prognosemärkte in der Vergangenheit nur in gut einem Viertel der Fälle richtiglagen.

Auftragsbuch bleibt Stütze der Investment-These

Operativ liefert Rocket Lab weiter Substanz. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wuchs der Umsatz um 63,5 Prozent auf 200,35 Millionen US-Dollar, das Auftragsbuch summierte sich auf 2,2 Milliarden US-Dollar. NASA hat Rocket Lab im Rahmen des VADR-Vertragsrahmens mit einem Volumen von bis zu 300 Millionen US-Dollar über zehn Jahre für zwei Wissenschaftsmissionen ausgewählt: PolSIR zur Untersuchung von Eiswolken und TSIS-2 zur Messung der solaren Einstrahlung. Zusätzlichen Rückenwind liefert das Pentagon, das sein Budget für nationale Sicherheits-Weltraumstarts der Phase Three Lane One von 5,6 auf 17 Milliarden US-Dollar vervierfacht hat – ein Programm, von dem neben SpaceX, Blue Origin und ULA auch Rocket Lab profitieren soll. Im laufenden Geschäft setzte das Unternehmen zudem seine Startserie für den japanischen Kunden Synspective fort: Ende Juni brachte eine Electron-Rakete den zehnten Strix-Radarsatelliten in eine Umlaufbahn von 552 Kilometern Höhe – bereits die zwölfte Rocket-Lab-Mission des Jahres 2026. Synspective plant bis 2030 insgesamt 17 weitere Satelliten dieser Baureihe.