Rekordumsatz, Rekordauftragsbestand, ein Milliardenvertrag mit der US Space Force – und trotzdem gab die Aktie nach den Zahlen nach. Für mich ist das kein Warnsignal, sondern der ganz normale Preis dafür, dass Rocket Lab an der Grenze zwischen Wachstumsstory und operativer Realität steht.
Die Zahlen sprechen für sich, der Markt für den Moment dagegen
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 234,07 Millionen US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden US-Dollar, mehr als eine Verdopplung im Jahresvergleich.
Allein im Berichtsquartal kamen neue Aufträge von über einer Milliarde Dollar hinzu, darunter ein 397-Millionen-Dollar-Vertrag der US Space Force für sogenannte Flatellites zur Luftzielverfolgung sowie neue Startverträge über 437 Millionen Dollar.
Trotzdem verfehlte Rocket Lab beim Ergebnis die Erwartungen: Der Nettoverlust lag bei 49 Millionen Dollar beziehungsweise minus 0,08 Dollar je Aktie, während der Konsens nur minus 0,03 Dollar erwartet hatte. Die Aktie fiel nachbörslich um bis zu 8 Prozent.
Dass ein Unternehmen mit Rekordzahlen abverkauft wird, wirkt paradox – ist es aber nicht, wenn man sich die Bewertung ansieht. Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund dem 65-Fachen ist wenig Spielraum für Enttäuschungen. Wer bei einer derartigen Bewertung einsteigt, kauft nicht die Gegenwart, sondern eine sehr optimistische Zukunft. Und genau an dieser Zukunft, der Neutron-Rakete, gibt es derzeit die größten Fragezeichen.
Neutron ist der eigentliche Knackpunkt – und das Fenster wird enger
Der Erststart der neuen Trägerrakete Neutron soll laut Unternehmensangaben Ende 2026 stattfinden, mehrere Berichte sprechen inzwischen von einem Zeitfenster, das sich zunehmend verengt, mit Anfang 2027 als realistischerer Alternative.
Die Fairing mit dem Spitznamen „Hungry Hippo“ hat zuletzt einen Krafttest mit 275.000 Pfund bestanden und erhält nun Wärmeschutz und Avionik – Fortschritt ist also sichtbar, doch das Startpad soll erst im vierten Quartal geliefert werden.
Für mich ist das der entscheidende Risikofaktor der gesamten Investment-These: Neutron soll die Nutzlastklasse öffnen, die Rocket Lab von einem Nischenanbieter zum echten Konkurrenten größerer Raketensysteme macht.
Kunden wie Kepler Communications haben bereits einen dedizierten Neutron-Start für 2028 gebucht, mit einer geplanten Datenrate von 100 Gbit/s für ein Lasernetzwerk – ein Vertrauensbeweis, der aber erst mit einem erfolgreichen Erststart eingelöst wird.
Auf der positiven Seite steht die schiere Breite des Geschäfts. Neben Flatellites und Neutron treibt Rocket Lab mit dem mobilen Startsystem GHOST, das in Standardcontainern transportierbar ist und bereits am Pacific Spaceport Complex in Alaska zum Einsatz kommen soll, die militärische Diversifikation voran. Die addierten US-Verteidigungsaufträge für 2026 summieren sich Berichten zufolge auf rund 943 Millionen Dollar.
Dazu kommt die im Raum stehende Übernahme von Iridium, die laut Berichterstattung wiederkehrende Jahresumsätze von 870 Millionen Dollar einbringen könnte – ein Schritt, der die Umsatzbasis strukturell verbreitern würde, aber auch mit einer Kapitalerhöhung von 1,06 Milliarden Dollar und potenziell weiteren 1,94 Milliarden Dollar verbunden ist. Das bedeutet: Verwässerung ist ein reales Thema, das Anleger nicht ignorieren sollten.
Mein Fazit: Substanz ja, Nerven nötig
Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich. Seeking Alpha stuft die Aktie mit einem Kursziel von 209 Dollar als Kauf ein, Cantor Fitzgerald hat sein Ziel von 96 auf 122 Dollar angehoben. Die Spannbreite der Fair-Value-Schätzungen reicht allerdings von 16,25 bis 150 Dollar – ein Ausmaß, das die enorme Unsicherheit rund um Neutron und die Iridium-Frage widerspiegelt.
Aktuell notiert das Papier bei 69,30 Euro und damit rund 6,6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, während die Jahresperformance mit 88 Prozent auf Zwölfmonatssicht beeindruckend bleibt. Für mich zeigt der jüngste Rücksetzer vor allem eines: Der Markt preist nicht das Quartal ein, sondern das Risiko der Neutron-Verzögerung.
Wer von der langfristigen Positionierung von Rocket Lab überzeugt ist, muss diese Volatilität – bei einer annualisierten Schwankungsbreite von 82 Prozent ohnehin ein Kennzeichen dieses Titels – aushalten können. Die operative Story stimmt, die Geduld wird aber weiter auf die Probe gestellt.
Rocket Lab-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rocket Lab-Analyse vom 15. August liefert die Antwort:
Die neusten Rocket Lab-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rocket Lab-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Rocket Lab: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

