Rocket Lab steckt in einer Phase, in der operative Erfolge und wachsende Zweifel am Zeitplan der neuen Schwerlastrakete Neutron aufeinandertreffen. Vorstandschef Peter Beck bekräftigte am Montag vergangener Woche, dass das Unternehmen weiterhin die Lieferung der Startrampe für Neutron im vierten Quartal 2026 anpeile – räumte zugleich aber ein, dass sich das Zeitfenster für einen Erststart bis Jahresende zunehmend verenge.
Für Anleger ist das die entscheidende Frage: Kann Rocket Lab die selbstgesteckten Fristen halten, oder verschiebt sich der Übergang vom reinen Electron-Anbieter zum Schwerlast-Player erneut?
Finanzchef Adam Spice lieferte dazu eine konkrete Einordnung: Gelinge ein erfolgreicher Testflug der Neutron, könne Rocket Lab bereits im darauffolgenden Quartal ein positives bereinigtes operatives Ergebnis erreichen. Das wäre ein Meilenstein für ein Unternehmen, das bislang stark von Wachstumsinvestitionen geprägt ist.
Ergänzend berichtete das Unternehmen über Fortschritte bei den Vorflugtests der wiederverwendbaren „Hungry Hippo“-Verkleidung für Neutron – ein technisches Detail, das in der Berichterstattung als operativer Fortschritt gewertet wurde.
Auftragslage bleibt robust
Während die Neutron-Zeitachse für Unsicherheit sorgt, liefert das laufende Geschäft weiter solide Zahlen. Rocket Lab wies zum zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 234 Millionen US-Dollar aus, der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden US-Dollar.
Das Management gab zudem an, seit dem zweiten Quartal neue Aufträge im Volumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar eingesammelt zu haben. Für das dritte Quartal 2026 stellte Rocket Lab eine Umsatzprognose von 250 bis 265 Millionen US-Dollar in Aussicht.
Auch bei US-Regierungsaufträgen bleibt das Unternehmen aktiv: Anfang August sicherte sich Rocket Lab einen Auftrag der US Space Force über 397 Millionen US-Dollar für den Bau, Start und Betrieb sogenannter Flatellites im Rahmen des SB-AMTI-Programms zur Bedrohungsverfolgung.
Wenige Tage später trat das Unternehmen dem NITE-STAR-IDIQ-Rahmenvertrag der Space Force mit einem Gesamtvolumen von 981 Millionen US-Dollar bei, der Rocket Lab für künftige Einzelaufträge im Bereich Weltraumtest- und Trainingsinfrastruktur qualifiziert.
Vergangene Woche kamen zwei weitere Lieferaufträge über insgesamt zwölf Millionen US-Dollar hinzu, nachdem Rocket Lab dem Space Data Network Consortium der Space Force beigetreten war.
Electron liefert weiter zuverlässig
Operativ zeigt das Kerngeschäft Stabilität: Am Donnerstag brachte Rocket Lab mit der 93. Electron-Mission für den japanischen Kunden iQPS erfolgreich den nächsten QPS-SAR-Satelliten ins All. Es war bereits der 14. Start des Jahres 2026, neun weitere Missionen für iQPS sind bis 2030 fest gebucht.
Diese Kadenz unterstreicht, dass das etablierte Trägerraketengeschäft weiterhin verlässlich Umsatz generiert, während Neutron als Wachstumshebel für größere Nutzlasten und Konstellationsstarts entwickelt wird.
Eine Randnotiz aus der vergangenen Woche dürfte manche Anleger dennoch aufhorchen lassen: Betriebschef Frank Klein veräußerte laut einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht 35.558 Aktien. Insidertransaktionen dieser Art sind bei wachsenden Unternehmen keine Seltenheit und für sich genommen kein Warnsignal.
An der Börse zeigt sich die Unsicherheit rund um den Neutron-Zeitplan deutlich: Die Aktie schloss am Freitag bei 55,60 Euro, ein Minus von 4,1 Prozent auf Tagessicht. Damit notiert das Papier rund 18 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 67,82 Euro – ein Zeichen dafür, dass der Markt die kurzfristigen Risiken rund um den Erststart derzeit stärker gewichtet als die langfristige Auftragsdynamik.
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