Sechs Verlusttage in Folge, fast 12 Milliarden Dollar Marktwert verbrannt binnen einer Woche. Dann ein Test im Triebwerksprüfstand — und Rocket Lab findet zurück in die Gewinnzone. Die Aktie legt am Dienstag um 1,92 Prozent auf 68,90 Euro zu.

Ein Test bringt die Wende

Rocket Lab hat einen vollständigen Brenntest der zweiten Raketenstufe seiner Neutron-Rakete abgeschlossen. Das Unternehmen selbst nannte den Test „ein Ding der Schönheit“ und bezeichnete ihn als entscheidend für den Erstflug der Rakete.

CEO Peter Beck hatte im April gegenüber Stocktwits erklärt, Rocket Lab arbeite mit Hochdruck auf einen Neutron-Start im vierten Quartal 2026 hin. „Wir liegen im Plan, aber am Ende ist es ein Raketenprogramm“, sagte Beck damals. Die eigentliche Herausforderung liege nicht im Erreichen der Umlaufbahn. Rocket Lab muss beweisen, dass Neutron zurückkehren und wiederverwendet werden kann. „Wenn wir nur hochfliegen müssten, wären wir schon längst im Orbit“, so Beck.

Der Erfolg reiht sich in eine Serie operativer Meilensteine ein. Erst kürzlich hatte Rocket Lab die Victus-Haze-Mission für die US Space Force abgeschlossen. Das Unternehmen startete die Mission binnen 16 Stunden und 42 Minuten nach Auftragserteilung, nahm den Pioneer-Satelliten innerhalb von 38 Stunden in Betrieb und führte Rendezvous-Manöver in unter 59 Stunden durch. Rocket Lab lieferte dabei Trägerrakete, Raumfahrzeug und Orbitalbetrieb aus einer Hand — ein einzelner Vertrag deckte alles ab.

Eine harte Talfahrt vor der Erholung

Trotz des Dienstags-Plus bleibt die Aktie mittelfristig tief im Minus. Rocket Lab notiert 27,09 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 94,51 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, erreicht am 27. Mai 2026, fehlen 48,51 Prozent.

Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 27,01 Prozent an Wert. Der Ausverkauf zog sich bis zum 13. Juli über fünf Handelstage, kumuliert summierte sich der Verlust auf 19,3 Prozent. Marktbeobachter werten den Rückgang als unternehmensspezifisch — der S&P 500 entwickelte sich im selben Zeitraum positiv. Am Montag allein rutschte die Aktie um 5 Prozent ab, der sechste Verlusttag in Folge vor der Erholung am Dienstag.

Der Blick auf ein Jahr relativiert die Talfahrt. Auf Sicht von zwölf Monaten steht Rocket Lab noch immer 85,22 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn sind es 6,00 Prozent.

Neutron bleibt der zentrale Hebel

Die mittelschwere Trägerrakete Neutron ist das Kernstück der Investmentgeschichte. Sie soll Rocket Lab neue Einnahmequellen jenseits des Electron-Trägers erschließen. Das Unternehmen hält am Zeitplan fest: Der Erstflug soll im vierten Quartal 2026 stattfinden.

Zum ersten Quartal meldete Rocket Lab einen Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar und mehr als 2 Milliarden Dollar verfügbare Liquidität. Im Mai unterschrieb das Unternehmen den größten Startvertrag seiner Geschichte. Ein anonymer Kunde bestellte fünf Neutron-Starts und drei dedizierte Electron-Starts, verteilt auf die Startplätze in Neuseeland und Virginia, mit Lieferzeitraum von 2026 bis 2029.

Für zusätzliche Nervosität sorgten zuletzt andere Themen. Die geplante Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium Communications und ein Aktienverkauf des CEO haben die Kursschwankungen in den vergangenen Wochen verstärkt — auch wenn das operative Geschäft parallel weiter Fortschritte zeigt.

Der Relative-Stärke-Index liegt aktuell bei 36,1 und signalisiert eher überverkauftes als überkauftes Terrain. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei rund 99 Prozent — ein Wert, der die Nervosität rund um den Titel unterstreicht. Sollte der Neutron-Zeitplan bis zum vierten Quartal 2026 halten, dürfte der Erstflug zum nächsten großen Kurstreiber werden. Analysten sehen in der mittelschweren Trägerrakete den Schlüssel zu höherwertigen Aufträgen in kommerziellen, militärischen und sicherheitspolitischen Märkten.