Der Raumfahrtkonzern Rocket Lab demonstriert derzeit eindrucksvoll seine operative Stärke im Trägerraketengeschäft. Gleichzeitig bürdet sich das Unternehmen mit der geplanten Großübernahme von Iridium Communications erhebliche Integrations- und Verwässerungsrisiken auf. Für mich stellt sich an dieser Weggabelung die entscheidende Frage: Reicht das dynamisch wachsende Kerngeschäft aus, um die milliardenschwere Expansion zu rechtfertigen?
Verlässliche Nachfrage im Kerngeschäft
Gestern unterstrich Rocket Lab mit einem Paukenschlag seine Marktstellung im Segment für leichte Nutzlasten. Das Unternehmen unterzeichnete einen mehrjährigen Vertrag mit der in Tokio ansässigen Synspective über 20 zusätzliche Electron-Starts. Für Rocket Lab ist dies der bisher größte kommerzielle Einzelvertrag für dieses Trägersystem.
Die Missionen sollen von 2028 bis 2031 jährlich stattfinden. Damit steigt die Gesamtzahl der von Synspective gebuchten Flüge auf 47. Nach Angaben von Rocket Lab übersteigt der gesamte Auftragsbestand damit die Marke von 100 Missionen.
Diese Zahlen belegen, dass die Nachfrage nach verlässlichen Transporten in den erdnahen Orbit ungebrochen ist. Electron hat sich als verlässliches Arbeitspferd etabliert. Das schafft Planungssicherheit bis ins nächste Jahrzehnt und verschafft dem Unternehmen eine Auslastung, um die es viele Wettbewerber beneiden dürften.
Der teure Sprung zum Großkonzern
Doch die glänzende Auftragslage im Raketenbau darf nicht über die gewaltigen finanziellen Dimensionen der Iridium-Übernahme hinwegtäuschen. Um den Zukauf zu finanzieren, schloss Rocket Lab Mitte September eine Aktienplatzierung ab. Über die Ausgabe von 29,3 Millionen neuen Anteilsscheinen flossen brutto rund 1,944 Milliarden $ in die Kassen.
Immerhin konnte damit eine Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden $ beendet werden. Dennoch verwässert die massive Ausgabe neuer Aktien die Altaktionäre spürbar. Zudem ist der Deal noch längst nicht in trockenen Tüchern. Zwar stimmten die Iridium-Aktionäre vor gut einer Woche der Transaktion zu. Der endgültige Vollzug wird jedoch erst für Mitte 2027 erwartet und hängt an regulatorischen Genehmigungen.
Die Übernahme bindet über Monate hinweg Managementkapazitäten und Kapital in Milliardenhöhe. Sollten behördliche Auflagen den Zeitplan verzögern oder das operative Geschäft von Iridium schwächeln, könnte sich die erhoffte strategische Transformation schnell als Bremsklotz erweisen.
Bewertung mit spürbarem Bewertungsabschlag
An der Börse sorgt dieser Spagat für Zurückhaltung. Zwar legte der Kurs heute um 1,3 Prozent auf 62,40 Euro zu. Von seinem 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro bleibt das Papier damit jedoch weit entfernt.
Der Markt preist derzeit die Risiken der Kapitalmaßnahmen und den langen Weg bis zum Abschluss im Jahr 2027 vorsichtig ein. Die Fantasie aus dem operativen Raketengeschäft wird durch die anstehende Iridium-Integration gedämpft.
Unterm Strich spricht vieles für die langfristige Wachstumsstory, da der wachsende Auftragsbestand ein solides Fundament liefert. Dennoch überwiegen kurzfristig die Unsicherheiten rund um die Übernahme. Für Anleger bedeutet das: Erst wenn die Integration von Iridium auf Kurs ist, dürfte das Papier sein volles Potenzial wieder ausschöpfen.
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