Cathie Woods ARK Invest hat Anfang September gut 480.800 Aktien von Rocket Lab gekauft. Der Einstieg fällt in eine Phase, in der das Papier unter Druck steht: Seit dem Rekordumsatz-Bericht vor rund einem Monat hat die Aktie 18,2 Prozent verloren, belastet von neuen Zweifeln am Zeitplan der Neutron-Rakete.
Rocket Lab hatte signalisiert, dass der Erstflug der Neutron möglicherweise nicht mehr im vierten Quartal 2026, sondern erst 2027 stattfindet. Die Neutron soll perspektivisch SpaceX‘ Falcon 9 herausfordern, ein Meilenstein für das Unternehmen. Verzögerungen bei einem derart zentralen Projekt wiegen an der Börse schwer, entsprechend reagierten die Anleger verschnupft.
Operatives Geschäft läuft parallel weiter
Während die Neutron auf sich warten lässt, hält der operative Betrieb Tempo. Am 3. September startete Rocket Lab von seiner Anlage in Neuseeland die 94. Electron-Rakete und brachte im Rahmen der Mission „Owl Around The World“ einen StriX-Erdbeobachtungssatelliten für den Kunden Synspective in eine niedrige Erdumlaufbahn. Die Electron-Flotte bleibt damit das operative Rückgrat des Unternehmens, während die größere Neutron noch in der Entwicklung steckt.
Auf regulatorischer Seite ist die geplante Übernahme von Iridium vorangekommen: Die Wartefrist nach dem US-Kartellrecht Hart-Scott-Rodino lief Mitte August aus, zudem hat Rocket Lab bei der SEC eine Registrierungserklärung für die Transaktion eingereicht und gemeinsam mit Iridium bei der US-Kommunikationsbehörde FCC die Übertragung der Lizenzen beantragt.
Insider-Verkauf nach Plan
Anfang September verkaufte Finanzvorstand Adam C. Spice rund 140.000 Aktien im Gegenwert von knapp 8,8 Millionen Dollar. Der Verkauf erfolgte im Rahmen eines im Juni aufgesetzten Rule-10b5-1-Handelsplans, also planmäßig und nicht als spontane Reaktion auf aktuelle Entwicklungen. Solche automatisierten Verkaufspläne dienen typischerweise der routinemäßigen Portfoliosteuerung von Führungskräften und gelten am Markt nicht als Warnsignal.
Ende August hatte Bank of America Securities ihre Kaufempfehlung für die Aktie bestätigt, das Kursziel jedoch von 115 auf 110 Dollar gesenkt – eine moderate Anpassung, die die grundsätzlich positive Einschätzung des Hauses nicht infrage stellte.
Kursbild bleibt angeschlagen
Der jüngste Kursrutsch spiegelt sich deutlich in den Handelsdaten wider: Am Dienstag schloss die Aktie bei 56,90 Euro, nach einem Zugewinn von 0,5 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, erreicht Ende Mai, trennen das Papier inzwischen 57 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 42 Prozent zu Buche, was die enorme Schwankungsbreite der Aktie unterstreicht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Die Kombination aus Rekordumsatz, wachsendem Auftragsbestand und dem Einstieg prominenter Investoren wie ARK spricht für langfristiges Vertrauen in das Geschäftsmodell. Die Verschiebung der Neutron-Rakete zeigt zugleich, wie stark die Bewertung an einem einzigen Zukunftsprojekt hängt – und wie sensibel der Markt auf jede neue Terminverschiebung reagiert.
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