Rocket Lab: Verwässerung nach 20. Mai-Programm

Rocket Lab verzeichnet deutliches Umsatzwachstum im Space-Systems-Segment, während ein Aktienplatzierungsprogramm Anleger verunsichert.

Rocket Lab USA Aktie
Kurz & knapp:
  • Space Systems übertrifft Launch Services
  • Umsatz steigt um 63,5 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht 2,2 Milliarden USD
  • Aktienplatzierung von bis zu 3 Milliarden USD

Rocket Lab wird an der Börse nicht mehr nur als Startdienstleister bewertet. Der größere Hebel liegt inzwischen im Geschäft mit Satelliten, Raumfahrzeugkomponenten und staatlichen Raumfahrtprogrammen. Eine Zacks-Analyse vom 2. Juni rückt genau diese Verschiebung in den Mittelpunkt.

Der Kurs spiegelt hohe Erwartungen wider: Am Dienstag schloss die Aktie bei 123,32 USD, auf Wochensicht steht ein Minus von 17,91 Prozent. Seit Jahresanfang bleibt dennoch ein Plus von 62,28 Prozent.

Space Systems zieht davon

Im ersten Quartal steigerte Rocket Lab den Umsatz auf 200,3 Millionen USD, ein Zuwachs von 63,5 Prozent zum Vorjahr. Der Auftragsbestand lag bei 2,2 Milliarden USD.

Auch die Profitabilität auf Bruttoebene sieht besser aus als bei vielen jungen Raumfahrtwerten. Die GAAP-Bruttomarge erreichte 38,2 Prozent, nach einer Kapitalmaßnahme verfügte das Unternehmen über mehr als 2 Milliarden USD Liquidität.

Der eigentliche Punkt liegt im Segmentmix. Space Systems erzielte im Quartal 136,7 Millionen USD Umsatz, Launch Services kam auf 63,7 Millionen USD. Damit ist das Satelliten- und Komponenten-Geschäft bereits mehr als doppelt so groß wie das Startgeschäft.

Space Systems wuchs um 49,7 Millionen USD oder 57 Prozent. Rocket Lab verweist dabei vor allem auf mehr Raumfahrzeugproduktion und Akquisitionen.

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Launch Services legte ebenfalls kräftig zu. Der Umsatz stieg um 28,1 Millionen USD oder 79 Prozent, getrieben durch eine höhere Startfrequenz, mehr Umsatz je Mission und Beiträge aus HASTE-Aufträgen.

Auftragsbestand verändert das Profil

Der Auftragsbestand zeigt dieselbe Richtung. Von 2,2198 Milliarden USD entfielen 1,2983 Milliarden USD auf Space Systems und 921,4 Millionen USD auf Launch Services.

Ende 2025 hatte der Bestand noch bei 1,8473 Milliarden USD gelegen. Neue Buchungen überwogen damit die im Quartal abgearbeiteten Umsätze.

Für die Aktie verändert das die Wahrnehmung. Electron-Starts und die Entwicklung der größeren Neutron-Rakete bleiben wichtig. Der größere Umsatzsockel liegt aber inzwischen in Bereichen wie Satellitenfertigung, optischen Systemen, Missionsbetrieb und staatlicher Nachfrage.

Verluste und Kapitalbedarf bleiben Thema

Der höhere Umsatz reicht noch nicht für schwarze Zahlen nach GAAP. Rocket Lab meldete einen Nettoverlust von 45,0 Millionen USD, nach 60,6 Millionen USD im Vorjahreszeitraum. Die operativen Kosten lagen bei 132,5 Millionen USD.

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Ein großer Teil davon fließt weiter in Entwicklung. Allein Forschung und Entwicklung schlugen mit 80,5 Millionen USD zu Buche.

Für das zweite Quartal nennt Rocket Lab folgende Spannen:

  • Umsatz: 225 bis 240 Millionen USD
  • GAAP-Bruttomarge: 33 bis 35 Prozent
  • Non-GAAP-Bruttomarge: 38 bis 40 Prozent
  • bereinigter EBITDA-Verlust: 20 bis 26 Millionen USD

Die Botschaft ist klar: Wachstum ist da, Skaleneffekte müssen aber noch stärker durchschlagen. Besonders Neutron bindet Kapital, bevor daraus ein belastbarer kommerzieller Beitrag entsteht.

Hinzu kommt die mögliche Verwässerung. Am 20. Mai vereinbarte Rocket Lab ein Aktienplatzierungsprogramm von bis zu 3 Milliarden USD, auch über Forward-Sale-Strukturen. Aus Verkäufen geliehener Aktien würde das Unternehmen zunächst keine Mittel erhalten, sondern erst bei späterer physischer Abwicklung entsprechender Transaktionen.

Bewertung lässt wenig Spielraum

Die Markterwartungen sind hoch. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei 97,19 USD über 20 Einschätzungen hinweg und damit unter dem jüngsten Börsenkurs. Der Konsens lautet zwar weiter „Moderate Buy“, die Bewertungsprämie hängt aber an sauberer Umsetzung.

Rocket Lab liefert starkes Wachstum und einen großen Auftragsbestand. Der Kurs preist jedoch bereits ein, dass Space Systems weiter skaliert, Neutron Fortschritte macht und mögliche Aktienausgaben die Story nicht zu stark belasten. Der nächste Test liegt im zweiten Quartal: mehr Umsatz, kontrollierte Verluste und ein Segmentmix, der die neue Raumfahrt-Infrastruktur-These bestätigt.

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